Michael Pröttel:Leichte Skihochtouren - 35 hohe Ziele in den Ostalpen mit schier endlosen Abfahrten



Vorwort:
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Momentan sind alle Touren dieses Buches für deutsche Staatsangehörige faktisch unerreichbar. Erst, wenn sich die Corona-Lage wieder gebessert hat, brauchen auch wir uns nicht mehr aufs Träumen beschränken. Denn traumhaft dürften sie bei guten Verhältnissen alle sein, die hier beschriebenen 35 „leichten bis mittelschweren Skihochtouren für endlosen Abfahrtsgenuss“.

Zum Inhalt:
Diese Beschreibung auf dem Buchrücken trifft die Tourenauswahl schon etwas genauer, als der sehr verlockende Titel. Jeder Bergsteiger weiß, wie stark die Einschätzung einzelner voneinander abweicht, was als leicht oder schwer empfunden wird. So fallen sicherlich der Gleirscher Fernerkogel (Tour Nr. 8 ) und der Östliche Feuerstein (Tour Nr. 12) angesichts ihrer Steilpassagen etwas aus diesem Rahmen. Auch über die Bezeichnung als (Ski-) Hochtouren mag man streiten, denn der Autor geht hier bis auf 2600m herab (Torspitze, Gampesspitze, Schöberspitze, Touren Nrn. 21 bis 23). Das entspricht nicht unbedingt der üblichen Vorstellung von einer Hochtour. Als „Gipfelsammler“ muss ich zudem kritisieren, dass sich auch mit der unteren Kräulscharte (Tour Nr. 10) und der Kühlehnkarscharte (Tour Nr. 1) zwei Ziele in der Sammlung finden, die ich schon deswegen nicht so reizvoll finde, weil sie nicht auf einem Gipfel enden. Anderen werden die Touren gefallen.

Der Band selbst ist sehr schön aufgemacht und reich bebildert. Bei den Bildern ist leider nicht immer ersichtlich, welche Gipfel darauf zu sehen sind. Auch wäre das eine oder andere Schlechtwetterbild durchaus angemessen gewesen, denn letztlich herrscht im Hochgebirge nicht immer nur eitel Sonnenschein. Sehr gut gelungen sind die Kurzzusammenfassungen der Touren mit Geokoordinaten und Anreisemöglichkeiten mit dem ÖPNV. Was mir hier fehlt, sind zusätzliche Zeit- und Höhenangaben vom Talort aus, wenn die Beschreibungen bei einer Hütte losgehen. Auch eine ausdrückliche Angabe der Steilheit wäre gerade für Anfänger von Nutzen. Zwar finden sich zu jeder Tour „Karten mit eingezeichneten Hangneigungen für die Tourenplanung“. Diese sind aber für eine konkrete Tourenplanung, bei der man angesichts der Steilheit die Lawinenlage einschätzen möchte, viel zu klein. Sie bieten allerdings einen brauchbaren Überblick über das zu erwartende Gelände.

In seiner Einleitung geht der Autor auf die Anforderungen und die Ausrüstung sowie die Lawinengefahr ein. Er hält sämtliche Touren „bei üblichen Verhältnissen“ (was ist denn üblich?) für ohne Seil, Pickel und Steigeisen machbar. Er schreibt, „dass man keine Kenntnisse in Spaltenbergung“ haben müsse. Das mag für die unvergletscherten Touren des Buches und für die übrigen bei optimalen Verhältnissen zutreffen. Sonst halte ich solche Empfehlungen eher für bedenklich. Ich selbst war schon bei einigermaßen einfachen Touren wie der Kuhscheibe (Tour Nummer 4) und dem Längentaler Weißer Kogel (Tour Nummer 6) sehr froh, dass ich Steigeisen dabei hatte. Und wer den Romariswandkopf (Tour Nummer 31) einmal im Sommer bestiegen hat, der wird auch im Winter im Hinterkopf behalten, dass es dort durchaus Spalten gibt. Die Mitnahme einer Lawinennotfallausrüstung wird zu Recht als unabdingbar beschrieben. Die „gehört in jeden Rucksack“. Lassen wir‘s mal als Lapsus durchgehen, denn jedenfalls das LVS-Gerät nützt im Rucksack im Zweifel gar nichts, sondern gehört eingeschaltet körpernah an den Mann oder die Frau.

Fazit:
Trotz der angesprochenen, kleineren Schwächen, die sich bei einer Neuauflage sicherlich leicht verbessern lassen, hat der Autor eine schöne Tourenauswahl zusammengestellt. Sie bietet erfreulicherweise auch häufig die Möglichkeit, mehrere dieser Touren von derselben Hütte aus zu machen. Skitourengeher mit einer gewissen Grundkondition und der Fähigkeit, die Verhältnisse am Gletscher, das Wetter sowie die Lawinenlage richtig einzuschätzen, werden beim Nachgehen dieser Touren sicherlich viel Freude haben.

Für weitere Informationen: Bruckmann Verlag


Buchbesprechung vom 03.02.21 © Gipfelsammler Claus im Forum von Alpic.net