Tour 10: Großer Krottenkopf (13.08.2005)

Anreise
D-75181 Pforzheim nach Holzgau
Entfernung: ca. 310km Fahrzeit: ca. 3 1/2 Std

Über die A 8 nach "Ulm", auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt Nr. 130 "Oy-Mittelberg" - dann Richtung "Pfronten / Reutte" bis Pfronten. Im Ort dann Abzweigung nach Tannheim (Tannheimer Tal) nicht übersehen und über die Grenze nach Österreich fahren. Nach Weissenbach, Stanzach bleiben wir auf der Straße nach Elmen bis Holzgau und parken dort in der Nähe der Kirche seitlich an einem Bach (direkt vor der Volksschule).
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Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Bergsteiger-Helm: Steinschlaggefahr bei starker Frequentierung
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • ausreichend Flüssigkeit
  • eine schöne Brotzeit
  • für evtl. Altschneereste Grödl + Gamaschen
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
  • Handy / Notfall: Im weiteren Verlauf des Höhenbachtals, sowie im Roßgumpental, überhaupt kein Empfang von Mobilfunknetzen. Selbst auf erhöhten Punkten (Oberes Mädelejoch bzw. Krottenkopfscharte) kein Empfang.
    Auf den Gipfeln von Öfnerspitze und Gr. Krottenkopf nur schlechter Empfang - bestenfalls für das Absetzen von SMS geeignet. Danach erst wieder im Bereich der Jöchelspitze normaler Empfang verschiedener Mobilfunknetze.
    Für den Notfall also akustische / optische Signale vorbereiten (Rufe, Trillerpfeife, Signale durch Kleidungsstücke, etc.)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
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Wegbeschreibung
Noch nie hatten wir den Wetterbericht über eine längere Zeit beobachtet, als über den Sommer 2005 - falls man das überhaupt 'Sommer' nennen kann. An diesem Wochenende gab die Wettervorhersage über Holzgau grünes Licht, während auf der Oberstdorfer Seite Regen angesagt war. Komisch, sind sie doch nur getrennt durch den Allgäuer Hauptkamm - und genau hier lag unser Tourenziel, der "Große Krottenkopf", der mit 2.657m höchste Gipfel der Allgäuer Alpen.
Abends zuvor hatten wir uns zuletzt über die Wetteraussichten informiert und uns entschlossen Samstag früh Richtung Holzgau aufzubrechen. Gegen 4.00 Uhr waren wir dann bei sternenklarem Himmel glücklich unterwegs Richtung Berge - leider nicht alleine, denn die Autobahn war wohl mit lauter Wochenendausflüglern gefüllt.
Je näher wir dem Allgäu kamen, umsoschlechter wurde das Wetter. Die Morgendämmerung hatte gegen die dicke schwarze Wolkendecke kaum eine Chance…und dann trafen wir den Oberstdorfter Regen…der uns freundlicherweise bis nach Holzgau begleitete *grummel*.

Die Kirche steht in Holzgau noch im Dorf In Holzgau waren die Parkmöglichkeiten bei der Kirche ziemlich ausgeschöpft; vermutlich viele Besucher, die auf der Kemptner oder Hermann von Barth Hütte übernachteten. Auch waren wir nicht die Einzigen, die diesen Morgen Richtung Höhenbachtal unterwegs waren - ein kurzer Plausch mit einem anderen Bergwanderer-Duo, das ebenfalls den Gr. Krottenkopf als Tagesziel hatte, stimmte uns zuversichtlich, den zunehmenden Regen zu ignorieren.
Auf breiter Fahrstraße wird man entlang des Höhenbachs sanft ansteigend ins Höhenbachtal geführt. Einzige Herausforderung ist die an den Berg betonierte etwas steilere Trasse bei den Simms-Wasserfällen. Alle Achtung für die Einheimischen, die hier mit dem Auto rauf und runter fahren *uaah*. Der besondere Charme der Wasserfälle kam heute morgen nicht ganz zur Geltung. Zudem versperrten triefende Kapuzen die Aussicht auf das sich langsam öffnende Höhenbachtal. Die letzten Meter zum Ausflugslokal für alle Generationen "Cafe Uta" verlaufen dann wieder harmonisch am Bach entlang, wo uns auch einige Alpensalamander bei ihrer Morgendusche zusehen lassen.
Hier überholen wir auch das Duo von heute morgen und erreichten bald darauf die bewirtschaftete Untere Roßgumpen-Alp. Wir nehmen die Abzweigung kurz vor der Alpe, wo der Weg rechterhand endlich von der Fahrstraße abzweigt und uns auf steilen Steig im Zickzack ins Roßgumpental und auf den Schochenboden führt. Nach einem kurzen knackigen Anstieg öffnet sich vor uns eine tolle Landschaft, mit dem talabschließenden Mädelejoch - die Regenwolken hatten sich zwischenzeitlich zum Glück in die Gipfelregionen verzogen.
Linkerhand die Rückseite des Kratzers und die Berge des Heilbronner Weges und rechterhand die Ausläufer vom Jöchelspitzkamm mit den steilen Flanken der Ramstallspitze. Vorbei an Latschen steigen wir über Serpentinen weiter empor, streifen die Obere Roßgumpen-Alp und erreichen bei ca. 1.780m schließlich die Abzweigung Richtung Mädelejoch / Kemptner Hütte. Hier kamen uns richtige Scharen von absteigenden Wanderen entgegen, die sich das Wochenende bestimmt auch anderst vorgestellt hatten. Wir ließen uns nicht beirren und zweigen hier dem Verlauf des Roßgumpenbaches folgend Richtung Krottenkopf / Hermann von Barth-Hütte ab. Langsam, aber spürbar hatte der Regen nachgelassen - schien sich langsam an die Wettervorhersage zu halten.
Untere Roßgumpen-Alp Alpensalamander Höhenbachtal Obere Roßgumpen-Alp Großer Krottenkopf

Bei schönem Wetter bietet sich jetzt ein herrliches Panorama: beginnend vom Muttlerkopf, über Öfnerspitze bis zum Krottenkopf *schwärm* (wir haben das Bild von Tour 7 "Heilbronner Weg" übernommen - da war das Wetter schön!).
Blick beim Aufstieg im Höhenbachtal: Muttlerkopf, Oefnerspitze, Krottenkopf


Wir laufen nun etwas oberhalb des Roßgumpenbaches in Richtung Gr. Krottenkopf. Oberhalb können wir schon den Weiterweg Richtung Oberes Mädelejoch erkennen. Leider gibt es keine direkte Verbindung von hier unten. Wir entscheiden uns beim zweiten von oben herabkommenden Gebirgsbach weglos noch oben zu queren. Wir befinden uns jetzt so ziemlich unterhalb des Gr. Krottenkopfes. Über grasige Tritte und durch ein kleines Latschenwäldchen gelangen wir ohne größere Probleme auf den oberen Weg und haben dadurch ein schönes Stück gespart.

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Ab hier beginnt die optinale Besteigung der Öfnerspitze (hohe Schwierigkeitsstufe: noch stärkerer Grad von Ausgesetztheit: teilweise wegloses Gelände; die Hände müssen zur Fortbewegung eingesetzt werden; leichte bis mittlere Kletterei).

Weiter gehts bis zur nächsten Abzweigung, am Oberen Mädelejoch. Hier folgen wir dem Weg auf den Muttlerkopf in einigen Kehren, bis er möglichst nah an das Öfnerkar heranreicht.
Der Aufstieg oder besser gesagt die Querung ins Öfnerkar führt uns über ein riesiges Geröllfeld. Hinter einem großen Brocken deponieren wir zunächst unsere Rucksäcke bis zu unserer Rückkehr. Am besten man orientiert sich jetzt an einem großen Felsbrocken, der von unten aus gesehen mittig am Rand des Kars liegt. Damit lagen wir beim Aufstieg richtig gut.
Ein aufmerksames Murmeltier beobachtete unsere Suche nach dem optisch guten Weg. Nach der Querung ins Kar war auch schnell die markante Scharte ausgemacht, weil es eigentlich auch nur eine Scharte auf dieser Seite gibt.
Oberes Mädelejoch West-Seite vom Gr. Krottenkopf mit Abzweigung zur Krottenkopfscharte Murmeltier im Öfnerkar durch diese Scharte auf die Öfnerspitze

Wir steigen langsam über Geröll und stellenweise grasige Tritte bis zum Fuß des Felstürmchens in der Scharte. Dabei haben wir uns meistens ziemlich rechts gehalten. Bei der Durchsteigung der Scharte nimmt man auch die Hände zu Hilfe, um über einige kleinere Felsgürtel bis auf den Grat der Scharte zu gelangen. Hier sehen wir zum ersten Mal die roten Markierungen, die offensichtlich erst hier oben angebracht wurden - nachdem man die erste physikalische Hürde, den Einstieg, gemeistert hat. Damit bleibt die Öfnerspitze wirklich ein Gipfelgeheimtip.
Die weitere Beschreibung des Aufstiegs erübrigt sich; man folgt einfach den Markierungen und den hie und da aufgestellten Steinmännchen - teilweise auf ausgeprägten Trittspuren und über Felsstufen - bis man nach dem letzten umgangenen Zacken plötzlich unterhalb des Gipfels steht.
Der Aufstieg ist an nur ganz wenigen Stellen etwas ausgesetzt. Die Schwierigkeit wird im AV-Führer mit einigen Stellen I eingestuft: Zuhilfenahme von Händen zur Haltung des Gleichgewichts und Abstützung. Neben ein bisschen Orientierungssinn und Trittsicherheit ist hier eigentlich auch nicht mehr gefordert. Nur bei Nebel sollte man diese Tour nicht unternehmen.
Toller Tiefblick vorbei am Muttlerkopf auf die Kemptner Hütte und das Hornbachtal, das gerade in einem Wolkenloch zu sehen war.
links die Gipfel der Krottenspitzen und rechts die Öfnerspitze gut begehbares Band unterhalb des Gipfels der Öfnerspitze Felsbänder und Gipfeltürme unterhalb der Öfnerspitze letzte Stufe unterhalb vom Gipfel Blick von der Öfnerspitze ins Hornbachtal

Es war schon etwas schade, dass uns das Wetter einen Rundumblick versagte. Die Öfnerspitze ist durch ihre vorgelagerte Stellung normalerweise ein idealer Aussichtsberg.
Hier oben blies ein kalter Wind - das Thermometer zeigt gerade mal 7 Grad. Die Hände waren schon kalt und auch der Rest des Körpers schien langsam auszukühlen - trotz der Schutzkleidung. Also machten wir uns nach dem Eintrag ins Gipfelbuch und einigen Schnappschüssen an den Abstieg.
Von oben sieht bekanntlich alles viel übersichtlicher aus. Man sieht stellenweise richtig gut die Trittspur bei der Umgehung der auf dem Grat verlaufenden Felszacken.
Nach einigen Kehren und Felsstufen sind wir wieder am Ausstieg der Scharte angelangt. Wir halten uns beim Abstieg jetzt zunächst leicht links und rutschen teilweise über Schotter hinunter in die Spalte des Felstürmchens. Hier hatten wir beim Aufstieg unsere Stöcke deponiert, die wir jetzt für das anstehende spassige Geröllboarden ins Öfnerkar hinunter wieder benötigten.
Die zuschauenden Gämsen schüttelten nur mit dem Kopf - immer diese Städter ;o)
Kemptner Hütte Felstürmchen unterhalb des Gipfels der Öfnerspitze Abstieg wie Aufstieg wenig schreckhafte Gämse im Öfnerkar

Auch Hans Murmel hatte uns beim Rückweg vom Öfnerkar noch immmer im Blick. Die welligen Einbuchtungen des Kars erfordern gute Orientierung im weglosen Gehen - man versucht recht nah am Muttlerkopf zu queren.
Dann sehen wir weiter unten auch unsere Rucksäcke leuchten; von den Felsen durch ein knallrotes Regencape abgesetzt. Eine kleine Brotzeit steht an und wir genießen nochmal in Gedanken den erfolgreich abgeschlossenen Aufstieg.

Hier endet die optionale Besteigung der Öfnerspitze
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Dann hieß es wieder zurück zum Oberen Mädelejoch und Querung unterhalb der markanten Westwand vom Großen Krottenkopf, mit der steil abfallenden 400m hohen Felswand. Der Weg ist gut einsehbar und zieht sich im weiteren Verlauf bis zur Abzweigung, die hoch zur Krottenkopfscharte führt, ganz schön in die Länge.
An der Abzweigung angekommen schauten wir auf die Uhr - 13:00 - und rechneten schonmal die Zeit bis zur Rückkehr nach Holzgau durch. Für Auf- und Abstieg würden ungefähr 2,5 Stunden benötigen, für den Rückweg dann bestimmt auch nochmal 3 Std. Würde ganz schön knapp werden. Die Verhältnisse waren gut, der Gipfel frei und Kondition vorhanden. Zudem waren hier einige Leute mehr unterwegs. Wir blasen also zum Aufstieg! Der gestaltet sich ziemlich mühsam: In vielen Kehren gewinnt man nur langsam an Höhe; viel Geröll ist zu umgehen. Die Überquerung eines Felsgürtels ist mit abgesägten Eisengriffen gesichert, an denen man sich bei Unachtsamkeit ganz schön verletzen kann. Im schlimmsten Fall bohrt sich bei einem unglücklichen Sturz eine Eisenstange durch den Körper *schauder*.
Endlich in der Krottenkopfscharte angelangt genießen wir den Blick ins tief unter uns liegende Hermannskar, deponieren wieder unsere Rucksäcke und machen uns gleich an den weiteren Aufstieg. Entlang am Gipfelkamm führt ein steiniges Steiglein jeden geschickten Bergwanderer bis zum Gipfel, der mit viel Geröll, Schrofen und schuttbedeckten Platten Trittsicherheit erfordert.
Hans Murmel winkt uns auch beim Abstieg Querung vom Oberen Mädelejoch in der Westwand vom Gr. Krottenkopf Aufstieg zur Krottenkopfscharte Anstieg von der Krottenkopfscharte zum Gr. Krottenkopf Felsbänder unterhalb des Gipfels


Am Gipfel des höchsten Allgäuer bieten sich eine atemberaubernde, aber leider etwas durch Wolken eingeschränkte Aussicht. Mark versucht in den richtigen Augenblicken interessante Aufnahmen zu machen. Hier der Blick vom Gipfel des Großen Krottenkopfes auf die darunterliegende Öfnerspitze und den Muttlerkopf. Die Landschaft dahinter versinkt in den Wolken.
Blick vom Großen Krottenkopf auf die Wolkenverhangenen Muttlerkopf und Oefnerspitze


Auf der anderen Seite sehen wir die steil abfallenden zerborstenen Wände der Ramstallspitze mit ihren langen Zackengraten aus Hauptdolomit. Dahinter streckt sich der markante Graszacken der Rothornspitze ins Bild, deren grüner seitlich auslaufender Kamm sich bis nach Elbigen-Alp erstreckt.
Rechts hat man einen kleinen Einblick in das Höhenbachtal.
Über die auf der rechten Seite auslaufenden Geröllfelder der Ramstallspitze sieht man den Verlauf einer Wegspur, die wir beim Abstieg finden und zur Verkürzung des Rückweges benutzen wollen.
Blick vom Großen Krottenkopf auf die Ramstallspitze


Leider war im Gipfelkreuz kein Gipfelbuch hinterlegt, in dem wir unseren Besuch dokumentieren konnten. Auch hatten wir für unseren Freund Achim eine kleine Gedenkschrift vorbereitet, die wir auf dem höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen im Gedenken hinterlegen wollten. Nun liegt es im Gipfelbuchbehälter.
"Der höchste Gipfel der Allgäuer Alpen, der Große Krottenkopf, steht ganz auf österreichischem Boden. Als Monarch überragt er mit seinen 2.657m alle Gipfel zwischen Lech und Iller. Sein uralter Name "Krotte" stammt vermutlich aus dem Wortschatz der Allgäuer Urbevölkerung, die hier vor der Einwanderung der Alemannen lebte. Die zerklüftete, von vielen Überhängen und Höhlen durchzogene Felsstruktur fand bereits 1485 als "Kroptenkoph" Erwähnung - ein möglicher Beleg auf das heute noch bekannte Wort "Grotte", was in den romanischen Sprachen als Felswand oder Höhle bezeichnet wird. Ursprünglich hießen alle Gipfel in dem Gebiet östlich der Kemptner Hütte einfach "Krottenköpfe". Mit der zunehmenden Erschließung durch die Bergsteiger, waren bald Unterscheidungen nach "Öfnerspitze", "Muttler", "Krottenspitzen" und "Krottenkopf" erforderlich, um Streitigkeiten zu vermeiden, wer nun auf welchem Krottenkopf war. Eine andere Geschichte unter den Einheimischen erzählt, dass ein heiliger Mann die Bösen Geister der Umgebung unschädlich machte, indem er sie in hässliche Kröten ("Krotta") verwandelte und sie auf die fernen Gipfel verbannte (Quelle: Allgäuer Gipfelbuch von Klaus Schlösser und Markus Noichl, copyright 1999 sl-Verlag Allgäu, Höfatsweg 4 a, 87477 Sulzberg/Allgäu)."

Nach einer Verschnaufpause mit herrlichen Tiefblicken auf den Hermannskarsee und dem obligatorischen Gipfelfoto machten wir uns wieder an den Abstieg. An der Krottenkopfscharte angelangt, nehmen wir wieder unsere Rucksäcke auf und steigen wieder ab - über die fahrlässig gesicherte Stelle - und queren etwas unterhalb in einem flacheren Stück in die Schutt- und Geröllausläufer der Ramstallspitze.
Im Rückblick sehen wir den mächtig aufragenden Gipfelzacken des Krottenkopfes in einer Wolke stecken. Nach dem unschweren Queren des Geröllfeldes gelangen wir in grasiges und welliges Gebiet mit einzelnen Felsbrocken, auf denen teilweise noch alte Markierungen sichtbar sind. Hier haben sich so manche Blumen angesiedelt - ein schöner Kontrast zu dem hellen Gestein.
auf dem höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen Geröllausläufer der Ramstallspitze beim Abstieg von der Krottenkopfscharte Gr. Krottenkopf beim Abtieg mit Kopfbedeckung kontrastreiche Flora

Unterwegs bewundern wir weiter die abwechslungsreiche Pflanzenwelt hier oben - ein Paradies für Botaniker. Kurz bevor wir auf den Originalweg von der Abzweigung zur Krottenkopfscharte treffen, machen wir nochmal eine kleine Pause und lassen unsere Sohlen etwas verschnaufen. Vor uns liegt noch der weite Rückweg über den Jöchelspitzkamm, oder besser gesagt: "entlang" des Kamms. Neben uns öffnet sich der Blick auf die Berge des Heilbronner Weges und das Höhenbachtal.
In einer Tourbeschreibung ist zu lesen, dass der Jöchelspitzkamm vom Hauptkamm der Allgäuer Alpen abzweigt und sich stufenweise abfallend bis zur Jöchelspitze hinunter erstreckt. Unsere Erfahrung war dagegen die, dass man nicht unbedingt bergablaufen muss, um ins Tal zu kommen *schwitz*.
Kurz vor der gleich erwähnten Schlüsselstelle zweigt ein kleiner Pfad nach "unten" ab. Man kann ihn über das hier flach in Richtung Höhenbachtal auslaufende Grün gut verfolgen. Berichten zufolge, bestand ier früher für Kenner die Möglichkeit zum Abstieg. Heute verliert sich der Pfad in unangenehm steilen Latschengelände und man läuft ohne genaue Wegkenntnis Gefahr in felsiges Steilgelände zu gelangen - für eine mögliche Zeitersparnis von vielleicht einer halben Stunde - kein Thema.
Wir gelangen an das Klämmle, eine seilgesicherte Schlüsselstelle unterhalb des Ramstallkopfes. Hier steigt man kurzerhand und spektakulär steil wieder einige Höhenmeter hinauf bis unterhalb des Karjochs. Handschuhe wären hier wieder mal von Vorteil gewesen.
Blumiges Kissen auf Fels gebettet Blick ins Bärgündeletal und die Rückseite des Heilbronner Weges Jöchelspitzekamm mit Rothornspitze und Jöchelspitze im weiteren Verlauf Seilgesicherte Stelle - sog. Klämmle - in der Westflanke der Ramstallspitze kleine Kraxeleinlage am Klämmle

Über das Karjoch besteht die Möglichkeit des Überganges nach Elbigen-Alp und zum Aufstieg auf Ramstallkopf und Strahlkopf. Kurz unterhalb des markanten Nordecks vom Strahlkopf zweigt der Weg ab - dem wir bergauf Richtung Tal folgen ;o).
Der erdige Weg schmiegt sich nun in den Hang und man kommt eigentlich relativ schnell vorwärts. Geschützt durch die links aufragenden Bergkämme, lässt sich das Panorama auf der rechten Seite so richtig genießen. In großen Schritten queren wir die Flanke des Rothorns, einer der markantesten Grasberge der Allgäuer Alpen mit sehr steilem, abgerundeten Gipfel und reicher Flora. In der Südost-Flanke fallen uns die auffallend graue und intensiv rote Färbung der Felsplatten auf (Bunte Hornsteine), die sicher ausschlaggebend für die Namensfindung waren.
Auf dem Rothornjoch gelangen wir nochmal an eine Kreuzung, die zum einen zur Jöchelspitzbahn führt und uns zu letzten Höchleistungen zwingt: der weitere Weg nach Holzgau führt NUR direkt über den Gipfel der Jöchelspitze.
Abzweigung ins Karjoch - Rechts der Felsabbruch des Strahlkopf-Nordecks - auf dessen linker Seite die Abstiegs-/Aufsteigsrinne vom oder zum Strahlkopf verläuft markantes Profil der steilgrasigen Rothornspitze unterhalb vom Jöchelspitzekamm Richtung Jöchelspitze namensgebende Rote Gesteinsschichten der Rothornspitze nochmal bergauf Richtung Jöchelspitze

Und weiter gehts bergauf talwärts *grins*. Unten können wir jetzt das Lechtal sehen und haben einen schönen Blick auf Holzgau. Unglaublich, dass wir hier noch über 1.000 Höhenmeter Unterschied haben. Die Sonne scheint im Tal, dafür scheinen uns die Wolken hier oben bedrohlich nahe zu kommen.
Nach Überquerung eines kleinen Vorgipfels liegt nun endlich der letzte Höhepunkt des Tages vor uns. Da scheint auch noch jemand auf dem Gipfel zu sein - also nix wie hin, und nach dem weiteren Verlauf des Weges ausfragen. Nach einem Vorhügel kommt dann ein weiterer Vorhügel, dem ein Hügel folgt, nachdem dann endlich der Gipfelhügel zur Besteigung ansteht.
Ziemlich k.o. auf der Jöchelspitze angekommen, begrüßte uns ein netter Bergwanderer, vermutlich mit einheimischem Dialekt. Wir fragten kurz nach der ungefähren Dauer des Abstieges nach Holzgau, was er mit "ungefähr 1 Std" beantwortete. Das gab uns neue Zuversicht.
Und dann ging es wirklich nur noch bergab ins Tal.
Blick nach Holzgau - getrennt durch mehr als 1.100 Höhenmeter die letzten Meter zur Jöchelspitze talwärts Blütenpracht an der Jöchelspitze langer Abstieg von der Jöchelspitze

Auf erdigen, grasigen Tritten, rannten wir fast schon die Bergflanke hinunter. Teilweise in Kehren, teilweise führte der Weg auch schnurstracks und steil geradeaus. Bei Nässe wäre das mit Sicherheit ein wahrlich gefährliches Rutschvergnügen. Die dunklen Wolken im Auge behaltend, trabten wir in unverändert hohem Tempo Richtung Tal.
Nach einer halben Stunde trabten wir immer noch in unverändert hohem Tempo Richtung Tal. Zwischendurch änderte sich schlagartig die die Landschaft und wir wähnten uns fast schon im Dschungel.
Kurze Rede langer Abstieg. Über viele Kehren und Kurven für der Weg über Stock und Stein, Wiese und Waldgebiet, bis wir irgendwann endlich auf die ersten Anzeichen von Zivilisation treffen. Kurze Verschnaufpausen für unsere mittlerweile qualmenden Füße waren jedenfalls öfters notwendigt.
Endlich ließen wir den letzten Grashang hinter uns, der wohl vorher extra für uns gemäht worden war. Ein Wegschild gab hier den Aufstieg zur Jöchelspitze mit 4,5 Std. an *schwitz* - heute jedenfalls kein Thema mehr. Wir waren nach insgesamt 1,5 Std. Abstieg schließlich am Auto angelangt und freuten uns - der glühenden Wanderschuhe entledigt - über den gelungenen Abschluss einer anstrengenden und wirklich anspruchsvollen Tour. Bis zum nächsten Mal. (Mark, Oliver 08/2005)
Botanik pur die letzten Meter bis nach Holzgau geschafft, aber glücklich!

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Fazit:
Tolle Tagestour ab Holzgau mit einigen Kombinationsmöglichkeiten. Auch gut machbar als Wochenendtour verbunden mit Übernachtungen auf Kemptner oder Hermann von Barth-Hütte.
Die Öfnerspitze ist weglos mit leichter Kletterei (I) in schrofigem und brüchigem Gestein. Nach Aufstieg in der richtigen Scharte mit roten Punkten und Steinpyramiden markiert. Trotzdem gute Orientierung und Trittsicherheit erforderlich - nicht bei Nebel machbar.
Der Große Krottenkopf erfordert Kondition und Trittsicherheit. Kurzer knackiger Aufstieg über Geröll und später Felsbänder. Durchweg markiert. Tolle Aussicht und Tiefblicke zu den Allgäuer, Hornbacher und Lechtaler Bergen.
Je nach Kondition auch abkürzbar und gut kombinierbar mit einer Begehung des Jöchelspitzkamms - siehe hierzu auch Tour-Beschreibung von Boris Stephan.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
AV Karte "Allgäuer-Lechtaler Alpen West" (1 : 25 000)


Karte "Allgäuer Alpen" vom Bayr. Landesvermessungsamt (1 : 50 000) mit GPS-Gitter


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Tipps
Parkmöglichkeiten:
In Holzgau rechts vor der Kirche abbiegen. Parkmöglichkeiten rechterhand am Höhenbach (vor der Volksschule) bzw. die Straße auch noch ein kleines Stückchen weiter nach hinten.
beste Wanderzeit:
Entsprechend den Witterungsbedingungen und mit entsprechender Ausrüstung: Sommer und Herbst. Gutes Wetter erforderlich - zumindest bei Besteigung der Öfnerspitze kein Nebel. Bei Nässe erschwerte Bedingungen beim erdig-lehmig-grasigen Abstieg von der Jöchelspitze (äußerst rutschig - unangenehm steil).
Wasservorräte:
Ausreichend Trinkvorrat + Proviant mitführen.
Mobilfunk:
Im weiteren Verlauf des Höhenbachtals, sowie im Roßgumpental, überhaupt kein Empfang von Mobilfunknetzen. Selbst auf erhöhten Punkten (Oberes Mädelejoch bzw. Krottenkopfscharte) kein Empfang.
Auf den Gipfeln von Öfnerspitze und Gr. Krottenkopf nur schlechter Empfang - bestenfalls für das Absetzen von SMS geeignet. Danach erst wieder im Bereich der Jöchelspitze normaler Empfang verschiedener Mobilfunknetze.
Für den Notfall also akustische / optische Signale vorbereiten (Rufe, Trillerpfeife, Signale durch Kleidungsstücke, etc.).

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Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Tour als Höhen- und Streckenprofil
Route und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/touren/tour10/krottenkopf.gpx
- GPS-Tracks: .kml / .gpx
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Übersicht
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