Tour 15: Rote Flüh und Friedberger Klettersteig (12.05.2007)

Anreise
D-75181 Pforzheim nach A-Nesselwängle über Pfronten (Fallmühle)
Entfernung: ca. 270km Fahrzeit: ca. 3 Std

Über die A 8 nach "Ulm", auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt Nr. 130 "Oy-Mittelberg" - dann Richtung "Pfronten". In Pfronten dann mitten bzw. kurz vor Ende des Ortes rechts abbiegen nach "Tannheim/ Grän". Eine schmale und eher weniger befahrene Straße führt über die Fallmühle ins beschauliche Tannheimer Tal. In "Grän" biegen wir dann links ab Richtung "Haldensee/Weissenbach/Stanzach". Am linken Ufer vom Haldensee vorbei, erreichen wir kurz nach dem Ortsausgang den Ausgangspunkt unserer Tour: Parkplatz Gimpelhaus auf der Linken Seite. Ausweichmöglichkeit: Parkplatz gegenüber an der Talstation des Krinnenalpe-Lifts. "Noch" sind die Parkplätze kostenlos - allerdings werden im Augenblick Parkautomaten aufgebaut
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Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • Handschuhe für Eisen- bzw. Stahlseilsicherungen des Klettersteiges
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
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Wegbeschreibung
Blick vom Parkplatz bei Nesselwängle auf die steil aufragenden Felswände der Roten FlühSo schön hätte es bereits zu Beginn unserer geplanten Tour auf die Rote Flüh und den Friedberger Klettersteig aussehen können. Dieser tolle Anblick war uns jedoch erst nach Rückkehr zum Parkplatz bei Nesselwängle vergönnt.
Doch beginnen wir am Anfang: Bereits bei unserer Ankunft im Tannheimer Tal regnete es entgegen sämtlicher Wetterprognosen ziemlich munter. Da man sich für den Friedberger Steig trockenes Wetter aussuchen sollte, veränderte sich nun unsere ursprüngliche Tourenplanung: Nach einem kleinen Frühstück am Parkplatz und etwas nachlassendem Regen, machten wir uns zunächst auf Richtung Gimpelhaus.

Der Parkplatz war relativ spärlich gefüllt, so dass heute kein allzu großer Ansturm auf die Berge zu erwarten war. Auch die Camper, die ihr Biwak für die Nacht unter der Straße Richtung Nesselwängle aufgeschlagen hatten, sahen zu dieser Uhrzeit wenig aktiv aus. Demnach völlig alleine, folgten wir der gut ausgeschilderten breiten Fahrstraße Richtung Gimpelhaus. Nach den ersten Metern sehen wir dann doch noch den einen oder anderen Frühaufsteher - keine Chance sich bei uns einzuschleimen. Kurz darauf verlassen wir die Straße und folgen nun einem gut angelegten Pfad Richtung Gimpelhaus. Die Sicht auf die umliegenden Berge war frei, da sich die Wolkendecke in etwa 2.000 m Höhe fortbewegte. Das machte uns doch zuversichtlich für eine baldige Wetterbesserung.
so kann man auch die Nacht verbringen: Brücken-Herberge anfängliche Wanderstraße Richtung Gimpelhaus Frühaufsteher - Tagestour auf die andere Straßenseite trüber Blick auf den Haldensee beim Aufstieg zum Gimpelhaus gut angelegter Weg zum Gimpelhaus

Der in breiten Stufen angelegte Weg gewinnt zunehmend an Höhe, bis er an einer Gedenktafel nach rechts abbiegt und in einen erdigen, mit zahlreichen Wurzeln überzogenen, Wanderpfad wechselt. In zahlreichen Kehren zieht der Weg durch ein kleines Wäldchen bergauf. An eine der zahlreichen Kehren ist eine Hinweistafel zum Missgeschick des Nagelschmiedes Otto Huber angebracht *schmunzel*. Recht überraschend taucht über unseren Köpfen das Gimpelhaus (privat bewirtschaftet) auf. Die nächsten Meter sind schnell zurückgelegt und wir sind am ersten Etappenziel. Durch die Bäume öffnet sich der Blick zur zehn Minuten entfernten Tannheimer Hütte (DAV-Hütte).
Vor einem Abbruch unserer Tour, steigen wir zunächst Richtung Judenscharte auf, um uns die dortigen Bedingungen anzuschauen. Bald öffnet sich vor uns das geräumige Kar unterhalb der Judenscharte. Leider hängen die Wolken immer noch sehr tief und Regenschauer prasseln über uns nieder. Von starken Aufwinden geschoben erreichen wir bald die Judenscharte. "Weltuntergangsstimmung" umschreibt die Situation wohl am trefflichsten!
Gimpelhaus in Sicht Blick zur Tannheimer Hütte - die nur wenige Minuten vom Gimpelhaus entfernt ist bedrohlich dunkle Wolkendecke über unseren Köpfen an der Judenscharte

Draußen im Vorland um Vils und Füssen schien die Sonne und hier oben spielten Graupelschauer, Regen, Wind und Wolken Fangen. Ein Aufstieg zur Roten Flüh, oder gar ein Weitergehen zum Friedberger Klettersteig wäre höchst fahrlässig gewesen. So erinnerten wir uns gerne an das Schild im Fenster des Gimpelhauses: frischer Apfelstrudel mit Vanillesoße und begannen uns von dieser unwirtlichen Welt hier oben zu verabschieden. Vorbei an den steil und mächtig aufragenden Wänden des Gimpel stiegen wir das Kar hinab. Im Eingang zum Kar mahnt eine Gedenkstätte mit Kreuz und Gedenktafeln und erinnert an die zahlreichen Verunglückten hier oben. Welches Schicksal mit den Opfern verbunden war, lässt sich leider nicht den Aufzeichnungen entnehmen. Wir denken mal, dass es wohl überwiegend Kletterer waren.
Zurück auf der Terasse vom Gimpelhaus, sehen wir über der Krinnenspitze gegenüber ein erstes großes Stück blauen Himmels. Nach einem leckeren Stück Apfelstrudel mit Vanillesoße, wollten wir deshalb den weiteren Fortgang der Tour entscheiden. Ein erneuter Blick von der Terasse auf den Haldensee und über das Tannheimer Tal schien doch einiges zu versprechen.
blühendes Leben auf kargem Boden Kreuz mit Gedenktafel und Namen, der am Gimpel und Umgebung verunglückten Personen Blick über das Tannheimer Tal auf die Krinnenspitze

Nachdem von Westen die Bewölkung zunehmend auflockerte und die Sonne immer mehr die Oberhand gewann, entschlossen wir uns einen zweiten Anlauf zu unternehmen. Gegen 11 Uhr war Abmarsch vom Gimpelhaus, auf dessen Terasse sich mittlerweile ein Kommen und Gehen abspielte. Über den grasigen Boden, der teilweise schon abgetrocknet war, kamen wir schnell vorwärts und bogen bald in das geräumige Kar unterhalb der Judenscharte ein. Das ganze zeigte sich im Vergleich zu heute morgen schon sehr viel freundlicher. Entlang des Weges gingen wir noch unserem botanischen Forscherdrang nach und haben so manche Pflanze für die Nachwelt dokumentiert. Linkerhand wird das Kar durch den Hochwiesler begrenzt, der auch einen direkten Einblick vom Gimpelhaus ins Kar und auf den Gimpel verhindert.
erneuter Aufstieg vom Gimpelhaus zur Judenscharte über grasigen Boden diesesmal zeigt sich die Judenscharte etwas freundlicher lustiger bürstenartiger Samenbehälter diese Blume hat einen Platz an der Sonne Blick auf die der Roten Flüh vorgelagerten Wände des Hochwiesler

Über das Kar führen zwei Wege zur Judenscharte hoch, wobei auf dem oberen Weg vor Steinschlaggefahr (Schutzhelm) gewarnt wird. Der obere Pfad dient wohl auch mehr als Zubringer der Kletterspezialisten zu den zahlreichen Kletterrouten am Fuß des mächtigen Gimpelaufbaus. Wir wählen wie heute morgen den unteren Weg, der in sicherer Entfernung teils auf erdigen Tritten, teils über gespurten Geröllschutt führt. Zu Füßen des Hochwiesler freut sich auch eine Gämse über die Sonnenstrahlen und vollführt wahre Freudentänze auf dem Schnee. Überall grünt und blüht es - der Frühling ist auch hier oben schon angekommen. Linkerhand zweigt dann ein Pfad mit Hinweis zum Gimpel ab. Beim weiteren Aufstieg im Kar lässt sich der Steig über den schrofigen Felssockel und steilgrasige Tritte im weiteren Verlauf gut erkennen. Ohne direkt in Zeitnot zu sein, wollten wir uns diesen optionalen Aufstieg für heute schenken - hatten wir doch auch schon den zweiten Aufstieg zur Judenscharte in den Oberschenkeln. Und dann standen wir auch schon wieder oben - in Selbiger...mit Blick ins Raintal und zu Fuße der mächtig aufragenden Felswand des Gimpel.
noch ein Blümelein sieht aus wie eine Schlüsselblume normale Aufstiegsmöglichkeit zum Gimpel (I und einige Stellen II) Blick auf die steil aufragende Nordwand des Gimpel aus der Judenscharte heraus

Früher gab es wohl eine Abstiegsmöglichkeit von der Judenscharte ins Raintal, die nun gesperrt und deutlich mit dem Hinweis versehen war: "Weg nicht begehbar". Wir umgehen linkerhand den Felsaufbau und gelangen über die aufwendig in den Fels geschlagenen Stufen und mit beidseitigen Drahtseilsicherungen versehené Passage bis kurz unterhalb des Gipfels. Obwohl nicht besonders ausgesetzt, wurde diese Stelle aufwendig entschärft und dürfte damit wohl die am besten gesicherte Stelle in den Allgäuer Alpen sein. Die letzten Höhenmeter führen problemlos über erdige Tritte und steileres Schrofengelände, bis wir über ein kleines Restschneefeld den Gipfel erreichen. Von der Scharte sind es nur wenige Minuten bis hierher.
Unter uns verschwindet das Gimpelhaus in einer Wolkendecke und auch sonst sieht es mit der Aussicht hier oben ziemlich schlecht aus. Ein kalter Wind schickt zudem Graupelschauer durch das Dunkelgrau - Weltuntergangsstimmung. Geduldig suchen wir ein paar Meter hinter der Kante Schutz vor dem peitschenden Wind und überlegen die weitere Vorgehensweise. Ab und zu erscheint der Grat zur Gelben Scharte und zum Schartschrofen, um im nächsten Augenblick wieder von den Wolken verschlungen zu werden. Auf dem Grat selbst konnten wir bei freier Sicht eine kleinere Gruppe von Klettersteig-Gehern auszumachen - die noch in einiger Entfernung Richtung Rote Flüh unterwegs waren. Und im nächsten Moment waren Sie auch schon wieder verschwunden.
gestufer Aufstieg mit Seilsicherungen im unteren Abschnitt aus der Judenscharte zur Roten Flüh Blick von der Judenscharte Richtung Vils / Füssen bedrohliche Wolken über dem Gipfelkreuz der Roten Flüh Blick vom Gipfel zum Gimpelhaus

Nach wenigen Minuten scheint der Wetterspuk endlich vorbei; der Himmel reisst zunehmend auf und von Westen her kommend ist blauer Himmel zu erkennen. Wir entschließen uns den Friedberger Klettersteig in Angriff zu nehmen. Kurz darauf tauchen wir ein in hellgraue Wolkenfetzen, die im kräftigen, teils böigen Aufwind vom Tal kommend über den Bergkamm gefegt werden. Der weitere Wegverlauf führt zunächst über Fels und Geröll hinab in den grasbesetzten Kammrücken, wo wir auf ausgetretenen Pfad linkerhand den Felsgrat umgehen. Mit Getöse ziehen weitere Wolkenfetzen über unsere Köpfe hinweg. Immer wieder geben sie die Sicht auf den tief unter uns liegenden Haldensee frei.
Wir gelangen bald darauf an eine mit Eisenklammern gesicherte Passage. Spätestens jetzt, sollte man seine Handschuhe angezogen haben. Denn vor uns liegen ein paar Höhenmeter, die in einer felsigen Rinne auf Klammern abzusteigen ist. Bei Nässe ist hier absolute Vorsicht geboten. Mit etwas Übersicht und entsprechender Vorsicht ist diese Passage trotzdem gut zu bewältigen - zumal sie durch den Verlauf in der Rinne nicht besonders ausgesetzt ist. Diesen Teil gemeistert führt uns der Weg nun direkt auf den seilgesicherten luftigen Grad.
vorgezeichneter Abstieg von der Roten Flüh in die Gelbe Scharte Schrofige Passage beim Abstieg gleich unterhalb des Gipfels der Roten Flüh über wenige Meter mit Eisenklammern gesicherte Passage Abstieg über die Eisenklammern ist fast geschafft

Zwischenzeitlich ist uns auch die Gruppe entgegengekommen, die wir bereits von der Roten Flüh aus gesehen hatten. Sie waren kurz nach dem Abstieg vom Schartschrofen (noch bei Sonnenschein), von den gleichen widrigen Bedinungen überrascht worden wie wir. Für die nächste anstehende Gratüberschreitung mahnten Sie uns zur Vorsicht, vor teilweise stark auftretenden Windböen. Man wünschte sich gegenseitig einen erfolgreichen weiteren Tourverlauf und schon waren wir wieder alleine unterwegs. Noch hatten wir den tiefsten Punkt der Gelben Scharte nicht erreicht. Rechterhand vom Gratverlauf nähern wir uns einem Felstürmchen, dem Kleinen Gilmenkopf, der sich uns wenig kooperativ in den Weg stellt. In steilen Kehren geht es nun - wieder linkerhand - entlang des Felsaufbaus hinab. Schließlich umgehen wir den Kleinen Gilmenkopf auf erdigem Pfad und gelangen - mit einem herrlichen Blick auf den Haldensee - in die Gelbe Scharte.

weiterer Pfadverlauf Richtung Gelbe Scharte mit Blick auf den Einstein immer wieder aufregende Tiefblicke auf den Haldensee auch direkt am Grat gibt es Leben Rückblick Umgehung des Felstürmchens im Abstieg von der Roten Flüh Umgehung des Felstürmchens mit Blick ins Tannheimer Tal

Vom Raintal kommend, zieht ein steiler Weg zur Scharte empor. Hier besteht auch die Möglichkeit zu einem Notabstieg Richtung Füssener Hütte, Willi-Merkl-Gedächtnis-Hütte bzw. Otto Mayr-Hütte. Gleichzeitig beginnt hier im weiteren Verlauf ganz offiziell der Friedberger Klettersteig, der aus der Scharte heraus entlang des steilen Grataufschwungs bis zum Gipfel des Schartschrofen verläuft.
Gelbe Scharte: Beginn des Friedberger Klettersteiges - Abstiegsmöglichkeit ins Raintal Blick ins Raintal immer wieder neue Facetten des Haldensees steiler und felsiger Aufstieg auf den Schartschrofen

Recht schnell gelangen wir an den Fuß des Gipfelgrates. Der Einstieg in den Klettersteig erfordert etwas Kraftaufwand, da es im blanken Fels kaum Tritt- bzw. Klammermöglichkeiten gibt. Man kann sich auch einfach am Stahlseil hochziehen und mit den Füßen am Fels abdrücken. Durch die ungewöhnliche Belastung kann sich aber auch schnell ein Krampf in den Oberschenkeln einstellen (kurzfristige eigene Erfahrung). Immer wieder erstaunen uns blühende Polster in geschützen Nischen auf fast blankem Fels. Doch dann hat das Auge nur noch den Fels und die Seilsicherung im Blick. Durch eine steile Rinne führt der Steig etwas weg vom luftigen Grat weiter nach oben. Es macht richtig Spaß, sich Meter für Meter vorzuschieben. Die durchgehende Seilsicherung ist auch optimal für die Verwendung eines Klettersteigsets konzipiert.
Nach wenigen Minuten strecken wir unsere Köpfe über den letzten Absatz und stehen praktisch direkt vor dem Gipfelkreuz. Im direkten Rückblick kann man unter uns den Verlauf des Weges am Grat zwischen Roter Flüh und Schartschrofen verfolgen, bis der Friedberger Klettersteig über den steilen Grataufschwung den Abschluss bildet.
scharfer Grat zum Schartschrofen Farbtupfer am Wegesrand felsige Rinne unterhalb des Gipfels oberer Austieg aus der felsigen Rinne die letzten seilgesicherten Meter zum Gipfel des Schartschrofen
Herrlicher Panoramablick vom Schartschrofen zum Gimpel, den langezogenen Grat beim Abstieg von der Roten Flüh in die Gelbe Scharte. Die exponierte Lage bietet eine traumhafter Aussicht - vor allem auf den tiefgrün leuchtenden Haldensee weit unten und das gesamte Tannheimer Tal. Nun kann man gut nachvollziehen, weshalb diese Tour - vor allem im Sommer - von jeder Menge Bergfreunden begangen wird und der richtige Genuss dann schon etwas leiden kann.
Herrlicher Panoramablick vom Schartschrofen


Wir stehen glücklich auf dem Gipfel des Schartschrofen - sämtliche Rückschläge und Mühen aufgrund der Wetterkapriolen sind mit einem Schlag vergessen. Ein herrliches Rundum-Panorama bei strahlendem schönem Wetter lädt zu einer ausgiebigen Rast ein. Die Gipfel von Gimpel und Rote Flüh scheinen greifbar nahe. Auch der gut sichtbare Wegverlauf auf dem Verbindungsgrat zwischen Rote Flüh und Schartschrofen sieht von hier oben atemberaubend abenteuerlich aus. Dabei lässt sich diese Passage bei guten äußeren Bedingungen eigentlich problemlos meistern. Der Blick wandert über das Tannheimer Tal und kann sich kaum sattsehen. Eine solche Ruhe auf diesem Gipfel dürfte in den nächsten Wochen und Monaten, zumindest über die Wochenenden, wohl eher die Ausnahme sein.
Postkartenaufnahme vom Haldensee Gimpel und Rote Flüh einträchtig nebeneinander Blick ins Tal - daneben ist hier gut die markant rötlich-gelbliche Färbung des Gesteins sichtbar Blick auf Füssener Jöchl und Lumberger Grat Richtung Bad Kissinger Hütte Rote Flüh mit Abstieg zur Gelben Scharte

Über dem Tannheimer Tal hinweg bleibt unser Blick an der bekannten Shilouette des schneebefleckten Hochvogels hängen. Auf der anderen Seite geht der Blick über das Raintal hinweg hinein ins Werdenfelser Land...das Wettersteingebirge mit der Zugspitze zeichnet sich deutlich am Horizont ab.
Zwischendurch erhalten wir Besuch von einem neugierigen und hungrigen Gast, der sein Revier an diesem Tag für sich ganz alleine hatte. Die Bergdohle zeigte keinerlei Angst und schnappte sich die Brotkrümel munter aus der Hand. Ein anderer Schatten flog auch noch über unsere Köpfe hinweg - zumindest über einen: Mark's Hut hatte sich mit einem Windstoß plötzlich und ohne sich zu Verabschieden ins Raintal davongemacht. Trotzdem ging es dann bald ohne Hut weiter - es hieß aufbrechen für das letzte Stück hinunter zur Jausenstation Adlerhorst.
Der Schartschrofen hat zwei Gesichter: Der scharfkantige Aufstieg über den Friedberger Klettersteig und einen sanft auslaufenden, mit Latschen übersäten Grasrücken, der sich über das Hallergernjoch bis zum Füssener Jöchl hinüberzieht.
schöner Blick über das Raintal hinweg ins Werdenfelser Land zur Zugspitze Jedes Gipfelglück hat ein Ende - Abstieg auf dem flachen Rücken des Schartschrofen Richtung Füssener Jöchl immer wieder gern gesehen: der Haldensee

Im Slalom auf erdigem, bei Nässe etwas schmierigem Pfad, gelangen wir zwischen Latschen hindurch schließlich in den Sattel zwischen Schartschrofen und Füssener Jöchl, das Hallergernjoch. Beim Abstieg bestaunen wir seltsame Felsformationen mit herrlichen Tiefblicken auf den Haldensee. Direkt vor uns streckt sich der felsige, turmartige Gipfelaufbau des Füssener Jöchl in den Himmel. Wir biegen aber hier am Hinweisschild Richtung Gessenewangalm ab und steigen durch kleine Mulden und über steilere Hänge hinab auf die freien, noch unberührten Weideflächen. Hier treffen wir auch auf dem Weg, der vom Füssener Jöchl nach Haller hinunter führt.
markante Felsformation beim Abstieg über den Sattel des Schartschrofen herrlicher kontrastreicher Blick mit Latschen besetzter grasiger Sattel des Schartschrofen Gipfel des Füssener Jöchl voraus Blick auf den recht einsam stehenden Einstein

Wir begeben uns kurz darauf auf einen extra angelegten ....Holzweg.... und folgen über sumpfige Wiesen hinweg weiter hinab. Der Holzweg wird bald verlassen und durch einen steilen Wald gelangen wir auf wurzeligen Tritten schnell hinunter zur Gessewangalm. Hier bietet sich nochmal ein toller Blick auf das miteinander verbundene Felsmassiv von Rote Flüh und Schartschrofen. Kaum zu glauben, dass wir vor wenigen Minuten noch ganz da oben gestanden haben.
Nach einer kleinen Verschnaufpause folgen wir dem Pfad weiter abwärts bis zu einem Wegkreuz. Eine breite Fahrstraße, der man folgen oder die man auch über kleine markierte Trampelpfade abkürzen kann, führt schließlich hinunter zur Jausenstation Adlerhorst. Auf der Terasse kann man seine Füße direkt über dem Haldensee baumeln lassen und nochmals das Erlebte des Tages Revue passieren lassen.
immer ein Auge für die Schönheiten am Wegesrand Gipfelzug von Schartschrofen (links) und Rote Flüh herrlicher kontrastreicher Blick Wirtschafthaus der Gessenwang Alpe ständiger Begleiter: der Haldensee oberhalb von Grän

Wir folgen dem breiten Fahrweg hinab Richtung Haller und biegen kurz vor den Häusern von Haller ab Richtung Nesselwängle auf dem Tannheimer Panorama-Rundwanderweg. An einer Abbiegung sind wir nicht der Fahrstraße nach unten gefolgt, sondern geradeaus in ein geöffnetes Wildreservat hineingelaufen - die Beschilderung war an dieser Stelle etwas unglücklich. Erst einige Zeit später haben wir bemerkt, dass wir verkehrt waren - es wollte einfach keine Abzweigung mehr Richtung Tal und somit Richtung Parkplatz kommen. Wir befanden uns aber schon fast auf Höhe von Nesselwängle. Wir sind dann weglos bergab, vorbei an die zahlreichen verwaisten Futterkrippen, bis wir weiter unten wieder auf den Panorama-Rundwanderweg gestoßen sind. Nun hieß es nochmal die richtige Richtung zu erraten: links oder rechts, Nesselwängle oder Haller. Rechts herum war dann richtig und nach wenigen Metern erreichten wir das kleine Tannenwäldchen am Parkplatz und kurz darauf unser bewährtes Transportvehikel.
Eine turbulente Tages-Tour mit ettlichen Wetterkapirolen, leckerem Apfelstrudel und einem genialen Höhepunkt mit der luftigen Überschreitung der Gratverbindung zwischen Rote Flüh und Schartschrofen. In dieser Kombination (mit Ausnahme des Apfelstrudels) nur empfehlenswert bei trockenen Bedinungen und etwas außerhalb der Hauptsaison bzw. Wochenenden. Zu empfehlen auch für Klettersteiganfänger - aufgrund der kurzen Anlaufzeit und der relativ kurzen zu bewältigenden Kraxel-Passagen.
Für die Aufmerksamkeit bedanken sich Mark und Oliver und hoffen, dass es wieder einmal spannend zu lesen war. Bis zum nächsten Mal.
eine Fahrstraße sammelt die müden Wanderer Richtung Jausenstation Adlerhorst ein Blick über das Dach der Jausenstation Adlerhorst zur Roten Flüh Blick eines Adlers aus seinem Horst auf den Haldensee letzte Eindrücke von der Roten Flüh am Parkplatz in Nesselwängle

(Mark, Oliver, 05/2007).
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Fazit:
Eine relativ kurze, aber dennoch anspruchsvolle Rundtour mit Gipfelglück, Kraxeleinlage und herrlichen Tiefblicken unterwegs.
Wir waren sehr überrascht, wie schnell das Gimpelhaus vom Tal aus zu erreichen ist und wie schnell wir doch auf dem Gipfel der Roten Flüh standen. Im Vergleich mit manch anderen Bergen der Allgäuer Alpen ist hier kein großer Anmarsch nötig.
Durch die ins Tannheimer Tal vorgeschobene Lage hat man fast jederzeit ein herrliches Panorama. Sind wir diesmal noch einigen wenigen Wanderen begegnet, ist diese Tour in der Hauptsaison ein wahrer Leckerbissen und daher auch recht überlaufen. Es empfiehlt sich dann durchaus, vom Wochenende weg auf eine Tour unter der Woche auszuweichen.
Die Überschreitung von der Roten Flüh zum Schartschrofen (ca. 1 - 1,5 Stunden) stellt in vielen Bereichen Anforderungen an absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Klettersteigerfahrung ist für eine Begehung ohne Klettersteigset Vorraussetzung - für Anfänger ist ein Klettersteigset dringend anzuraten. Steiles Terrain, ausgesetzte Passagen und senkrechten Stellen. Sicherung mit Drahtseil und sparsamer Einsatz von Eisenklammern und Tritthilfen erfordern Kraft und Mut.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
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Tipps
Parkmöglichkeiten:
Das Auto parkt man am besten auf dem "noch" kostenlosen Parkplatz kurz vor dem Ortseingang von Nesselwängle bzw. beim Krinnenalpenlift. Ab dem Parkplatz ist die Tour Richtung Gimpelhaus bestens ausgeschildert.
beste Wanderzeit:
Relativ früh im Jahr begehbar. Trotzdem evtl. Schneereste im Aufstieg zur Judenscharte bzw. im abgewandten Gipfelbereich der Roten Flüh. Vorher über die Verhältnisse vor Ort informieren, z.B. im Gimpelhaus (Öffnung in 2007: 01.05.). Ansonsten sehr schöne, aber beliebte und daher oft begangene Tour bis in den Herbst hinein - solange es trocken und schneefrei bleibt.
VORSICHT!! Nässe:
Bei Nässe ist von der Tour abzuraten. In unserem Fall trocknete der Fels jedoch auch relativ schnell wieder ab.
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Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Schneck-Spezial-Tour als Höhen- und Streckenprofil
Route und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/touren/tour15/roteflueh.gpx
- GPS-Tracks: .kml / .gpx
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Übersicht
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