Tour 18: In der östlichen Rosszahngruppe (05.07.2008)

Anreise
D-75181 Pforzheim nach A-6642 Vorderhornbach über Pfronten, Reutte/Tirol
Entfernung: ca. 280 km Fahrzeit: ca. 3,0 Std

Über die A 8 nach "Ulm", auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zum Nr. 130 "Oy-Mittelberg" - dann Richtung "Pfronten / Vils / Reutte" ins Lechtal nach Stanzach. Direkt von der B198 Richtung Elmen nach Vorderhornbach abbiegen und in der Ortsmitte bei der Kirche nach einem Parkplatz schauen.
Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • evtl. Helm wegen Steinschlag
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • ausreichend Flüssigkeit da unterwegs keine Einkehrmöglichkeit
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
Wegbeschreibung
morgendlicher Blick auf Grubachspitze, Stallkarspitze und Saldeiner Spitze vom LechtalMit etwas Glück konnten wir endlich die erste Tour in diesem Jahr angehen. Das Wetter spielte mit und wie gewohnt, machten wir uns ziemlich früh *gähn* (4:00 Uhr) auf den Weg. Wir befinden uns von Stanzach kommend noch auf der Anfahrt zum Ausgangspunkt der heutigen Tour - Vorderhornbach. Linkerhand, über dem breiten Bachbett des Lech, stehen schon die heutigen Tourenziele über dem Tal bereit: Saldeiner Spitze, Stallkarspitze und Grubachspitze. In welcher Reihenfolge die Ziele fallen sollten, war uns allerdings noch nicht ganz klar.

Nachdem wir in Vorderhornbach einen kostenlosen Parkplatz unterhalb der Kirche gefunden und sofort ein kleines Frühstück eingeworfen haben, suchen wir erste Hinweise auf die Aufstiegsroute Richtung Grubachspitze - weil das ja ein markierter Weg sein musste. Zu Beginn der Nebenstraße, hinter dem Parkplatz, entdecken wir ein Hinweisschild mit freundlichen 4 Stunden Gehzeit zur Grubachspitze. Wir folgen dem Hinweis auf einer asphaltierten Straße zum Ortsende und streifen entlang einer Wiese nach oben auf einen Forstweg. Gegenüber vom Lechtal baut sich gekonnt der charmante Rücken der Pfeilspitze in den Himmel. Deshalb verpassen wir beinahe die Abzweigung vom Forstweg in den Wald *puuh*. Zwischen abwechselnd dichtem oder lichtem Wald zieht der Pfad, immer wieder herrliche Ausblicke ins Lechtal bietend, sanft nach oben.
Aufstieg auf dem Forstweg Richtung Wasserfälle Blick übers Lechtal auf die Nordseite der Pfeilspitze geschützter Aufstieg über grasigen Waldboden Blick hinunter auf saftige Wiesen im Lechtal Slalom im Tannenwald

Irgendwann gelangt man an die von der Grubachspitze herabziehenden "Wasserfallen" (Originalbezeichnung in der AV-Karte) von Vorderhornbach - allemal spektakulär für Flachlandtiroler wie uns *lach*. Möglichkeit sich mit kristallklarem Bergwasser zu versorgen und sich oder anderen 'nahestehenden' Personen eine Abkühlung zu verschaffen. Von unserem Panoramaweg bieten sich immer wieder herrlich Blicke hinab ins Lechtal und zurück nach Vorderhornbach. Leider lässt sich davon nicht von dem nun etwas steiler ansteigenden Aufstieg ablenken. Bergan durch den Tannenwald erreicht man kurz darauf einen Jagdstand, an dem sich der Weg gabelt. Wir folgen weiter Richtung Grubachspitze und bestaunen die Pflanzenvielfalt am Wegesrand.
spektakuläre Wasserfallen von Vorderhornbach Blick zurück nach Vorderhornbach weiter gehts auffi im schützenden Tannenwald Jagdstand an der Abzweigung Richtung Grubachspitze Nordisches Labkraut (Galium boreale)

Allerlei Blühendes verleiht dem saftigen Gras jede Menge farbige Tupfer. Der weitere Aufstieg gestaltet sich so zu einem kleinen botanischen Spaziergang. Leider bleibt uns nur, die Blümchen zunächst auf Kamera festzuhalten, um sie dann zuhause mit einigen Hilfsmitteln einer genaueren Bezeichnung zuzuordnen können. Zwischendurch zeigt sich der Berg auch von seiner felsigen Seite - kurze schrofige Passagen stellen aber kein größeres Problem da. Der Weg zieht nun immer mehr in Richtung des vom Wiesbach zwischen Grubachspitze und Saldeiner Spitze geschaffenen Einschnittes. Ein geologisches Schmankerl, die "Faule Wand", präsentiert sich uns aus einiger Entfernung auf der anderen Seite des Wiesbachtales.
Fuchs Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) Weiter-Weg Richtung Grubachspitze ins Wiesbachtal Waldhyazinthe oder Weisses Breitkölbchen (Platanthera bifolia) kurze Schrofenpassage im Normal-Aufstieg zur Grubachspitze Blick über das Wiesbachtal auf die Faule Wand

Unser Panoramaweg schlängelt sich weiter entlang des Berghanges nach oben, mal mehr oder weniger geschützt durch herumstehende Bäume. Schließlich, nach 1,5 Std, gelangen wir an die markante Wegkreuzung. Alternativ bzw. als alleinstehende Tour - gut geeignet mit Kindern - wäre ein Besuch der Grubachspitze mit direktem Aufstieg lohnend. Ein möglicher Abstieg könnte dann über das Kar erfolgen und die Tour insgesamt abrunden. Nach kurzer Absprache entscheiden wir uns aber für einen Aufstieg auf die Saldeiner Spitze und folgen daher dem Weg "Grubachspitze übers Kar". Kurz darauf queren wir den Wiesbach und stehen bald an den Ausläufen der großen Schotterrinne, die steil von der Saldeiner Spitze in einem Rechtsbogen ins Wiesbachtal herabführt. Es gibt nun die Möglichkeit direkt in dieser Rinne aufzusteigen oder den geheimnisvollen Einstieg zum Aufstieg über den Westgrat zu finden. Wir entscheiden uns für letzteres und machen uns auf die Suche. Weiter führt der markierte Weg "übers Kar Grubachspitze" weiter ansteigend Richtung "Sattele" und vorbei an dem Auslauf der unangenehmen Geröllrinne.
Blick zurück auf den Aufstiegsweg Abzweigung direkt bzw. übers Kar zur Grubachspitze Wiesbach in der Scharte zwischen Grubachspitze und Saldeiner Spitze Von der Saldeiner Spitze herabziehende Geröllrinne, die für den Aufstieg verwendet werden kann Weiterweg ins Hornbachkar und zum Einstieg über den Westgrat zur Saldeiner Spitze - rechts die bereits angesprochene Geröllrinne

Dass es nicht gerade leicht ist, den Einstieg zum leichteren Aufstieg zu finden, liest man in den meisten Tourenbeschreibungen (s.u. Links). Aber es ist natürlich auch nicht unmöglich. An einem Markierungsstein und einer unmittelbar davor nach rechts abzweigenden aufälligen Trittspur, gelangt man in eine grasige Mulde. Man folgt nun in der tiefsten Stelle der nach links ansteigenden Mulde bis man fast an deren Ende an eine auffällige Baumgruppe trifft. Hier sollte man sich nach einem markanten abgestorbenen Latschenstumpf umsehen, der den Abzweig aus der Mulde nach rechts markiert. Kurz nach diesem Latschenstumpf gibt es einen weiteren Hinweis: nämlich einen Baumstamm mit markanten Knuppeln, wie er von Kalle super dokumentiert (Alpic.net) wurde. Danach hat man den Einstieg erreicht und eine deutlicht Trittspur führt in eine kindshohe Latschengasse. Nach den ersten Metern in der Latschengasse eröffnet sich ein toller Einblick auf das gegenüberliegende Hornbachkar und die Umrahmung durch Grubachspitze und Haldenspitze.
Trittspuren führen in der Mulde bis fast an deren oberes Ende zu einer alleinstehenden Baumgruppe Blick auf den Verlauf der Aufstiegsrinne der Variante Geröllschinder Abzweig zum Westgrat an dem markanten verdorrten Latschengerüst herrlicher Blick ins gegenüberliegende Hornbachkar beim Aufstieg zur Saldeiner Spitze

Nach etlichen Höhenmeter und viele Latschen weiter, treffen wir auf ein großes Stück mit toten bzw. dürren Latschensbüschen. Diese Stelle konnten wir schon bei unserem Aufstieg zum Sattele ausmachen. Mit Orientierungsvermögen ist der Pfad durch die Latschengasse unweigerlich vorgegeben und wir steigen weiter bis zur Felsgrenze unterhalb des Westgrates der Saldeiner Spitze. Ohne die die richtige Pfadspur zu finden, wäre man in dem Latschen-Wirrwarr wohl hoffnungslos eingeschlossen. Am ersten großen felsigen Ausläufer sticht uns natürlich sofort die rote Markierung ins Auge. Die roten Markierungen begleiten uns ab sofort in unregelmäßigen Abständen auf unserem weiteren Aufstieg. Die Latschen werden langsam lichter und wir queren unterhalb des Grates von der linken Seite kommend etwas ostwärts zu der unterhalb vom Sattele hochführenden breiten Geröllrinne. In dem felsigen und gerölligen Gelände muss man überaus vorsichtig sei, was aber einen erfahrenen Bergsteiger nicht vor größere Schwierigkeiten stellen sollte. Beim Hinabblicken in die steile Geröllrinne kann man einen ungefähren Eindruck davon bekommen, wie mühsam und kraftraubend ein Aufstieg hierüber wäre. Dann doch lieber die Variante "Westgrat".
deutliche Ausprägung des Pfades in der Latschengasse über den Westgrat im Rückblick weniger ausgeprägte Pfadspuren in der Latschengasse beim Aufstieg herrlicher Blick übers Schwarzwassertal auf die Berge des Jubiläumsweges Ausstieg aus der Latschengasse

Der obere Ausläufer der Geröllrinne dient uns als weiterer Aufstieg bis oben auf den Grat. Durch die Steilheit des Geländes kommen wir nicht mehr ganz so schnell vorwärts wie zuvor. Haltemöglichkeiten in dem brüchigen Fels und dem vielen losen Gestein sind rar. Die Anfangs gut sichtbaren Markierungen konnten wir auf den letzten Metern des Westgrates keine mehr ausmachen. Wie wir beim Abstieg später feststellten, haben wir ca. nach 15 Metern in der Rinne den Ausstieg nur leicht verpasst. Der eigentliche Pfad führt hier nochmals um einen weiteren Felsblock westwärts (links) herum, bevor dieser den Grat erreicht. Unsere Aufstiegsvariante war dennoch eine gute Wahl ohne größere technische Schwierigkeiten machbar (zeitweise Trittsicherheit und Einsatz der Hände erforderlich).
oberer Ausläufer der Geröllrinne - die gleichzeitig Aufstiegsrinne für die letzten Meter auf den Gipfelgrat ist der Gipfelgrat ist erreicht der Gipfelgrat im Rückblick - im Hintergrund Stallkarspitze mit Haldenkar

Nachdem wir den Gipfelgrat erreicht haben, können wir nach einer kleinen Rechtsbiegung und einem Felsknuppel bereits den weiteren Gratverlauf Richtung Osten bis zum Hauptgipfel der Saldeiner ausmachen. Immer direkt auf dem, manchmal leicht ausgesetzten, Grat folgen wir unschwierig der Pfadspur zu unserem ersten Tagesziel. Der Gipfel der Saldeiner Spitze ist erreicht. "Berg Heil!".
Gams unterhalb des Gipfelgrates auf der Flucht Gipfel der Saldeiner Spitze mit Blick ins Lechtal nach Reutte Blick ins Tal nach Vorderhornbach Blick ohne Gipfelkreuz ins Lechtal nach Reutte Grubachspitze und Hornbachkar - hinten links die Klimmspitze

Prächtige Panoramaaufnahme von der Saldeiner Spitze:
prächtige Panoramaaufnahme von der Saldeiner Spitze

Mark zückt als vorauseilender Pfadfinder schon mal den Foto für eine 360° Panoramaaufnahme und genießt die Blicke ins vordere Lechtal, auf Roßzahngruppe und Hornbachkette. Im Osten reichen die Blicke über das gewaltige Schwarzwassertal hinweg auf die Gipfel der Tannheimer Berge und der Vilsalpseegruppe: Vorneweg der mächtige Aufbau der Leilachspitze und der gesamte über die Luchsköpfe (Krottenköpfe) hinwegziehende Bergzug.
Stallkarspitze mit herabziehendem Nordwestrücken und der Haldenspitze - rechts daneben das Haldenkar Blick über die Grubachspitze auf den Hochvogel Berge der Vilsalpseegruppe - Leilachspitze (rechts) und Luchsköpfe Leilachspitze über dem Schwarzwassertal Luchsköpfe bzw. Krottenspitzen über dem Schwarzwassertal


Im Norden blicken wir bis zum Gaishorn und Rauhorn. Der Verlauf des Jubiläumsweges aus unserer Tour 4 kann von hier oben ebenfalls in weiten Teilen - bis zur Bockkarscharte am Glasfelder Kopf - verfolgt werden. Das Gipfelbuch der Saldeiner Spitze ist wirklich einen Blick wert. Wir können viele uns bekannte Namen wiederfinden, z.B. Kalle E. (alpic.net), R. Moll, Kristian R., Rainer V. (vormals allgaeuergipfel.de), Nicolaus C...um nur einige zu nennen. Das Gipfelbuch aus dem Jahr 1980 bietet noch reichlich Platz für mindestens weitere 20 Jahre - vorrausgesetzt die Saldeiner Spitze entwickelt sich nicht noch zu einem Modegipfel mit entsprechend starker Besteigungshäufigkeit - was wir natürlich auch sehr hoffen. Oftmals sind im Gipfelbuch im Abstand von einigen Jahren nur immer wieder die gleichen Namen zu finden. Ein echter Geheimtipp, was sicher auch mit der unangenehmen Aufstiegsvariante über die Geröllrinne bzw. dem nur Insider vorbehaltenen Aufstieg über den Westgrat zusammenhängen dürfte. Wir haben auch von einer weiteren Aufstiegsvariante über einen Jägersteig über die Südost-Seite gehört. Hier wäre am Jagdstand der Weg über den Wiesbach Richtung Jagdhütte zu wählen, der dann im weiteren Verlauf weglos und nur mit entsprechend guten Orientierungsfähigkeiten, auf den Gipfel führen wird. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast, reichhaltiger Stärkung und einer herrlichen Rundschau in alle Richtungen heißt es langsam für uns Abschied zu nehmen, denn wir haben heute noch ein weiteres großes Ziel vor uns – die Stallkarspitze.
Gaishorn und Rauhhorn von der Saldeiner Spitze aus gesehen Eintrag im Gipfelbuch auf der Saldeiner Spitze Abstieg zurück über den Gipfelgrat

Über den Westgrat führt der Pfad über die bereits bekannten Felsknuppel und vorbei an luftigen Passagen zurück zum markierten Einstiegspunkt für den Abstieg. Die Markierung lässt sich erst nach einigem Suchen - fast am begehbaren Ende des Grates - finden. Hatten wir im Anstieg die Markierung im oberen Bereich aus den Augen verloren und waren wir direkt in der Rinne aufgestiegen, stellt sich nun der markierte Abstieg wesentlich entspannter dar. Vorbei an markanten Felstürmen erreichen wir schließlich wieder die knifflige Stelle und queren vorsichtig die Geröllrinne Richtung Latschengasse. Der obere Einstieg ist hierbei ohne Probleme zu finden.
auf dem sonnigen Gipfelgrat luftige Passage auf dem Gipfelgrat markante Felszähne in der Bergflanke der Saldeiner Spitze

Munter bergab gehts nun durch die bekannten Gassen: Kopf einziehen, Staub der blühenden Latschen mit etwas Wasser nachspülen sind dabei lediglich zwei gut gemeinte Ratschläge für diese Passage. Beim Abstieg empfiehlt es sich bereits - falls die Stallkarspitze auf dem weiteren Programm stehen sollte - die anschließende höhenverlustfreie Querung aus der Mulde Richtung Sattele zu studieren. Weiter unten fehlt dann der Überblick und man kann sich nur noch auf Versuche beschränken. Ansonsten bleibt nur der Rückweg über die Mulde zurück auf den Weg "übers Kar Grubachspitze" und von dort Richtung Sattele bis zu einem markanten rot markierten Holzpfosten. Von dort zweigt der pfadlose Weg über Sattele Richtung Haldenkar ab - man suche am letzten Linksknick des offiziellen Weges rechterhand nach einem Pfeil aus Steinen auf dem Boden. Dann hat man den Einstieg in die übers Sattele führende Latschengasse gefunden. Schwache Trittspuren, abgeschnittene Latschenäste und kleine Steintürmchen erleichtern wenigstens etwas die Orientierung.
Mark beim Luftholen im riesigen Latschenmeer markanter Baumstamm beim Anstieg zum Sattele Richtung Haldenkar Rückkehr unterhalb des Sattele auf den offiziellen Weg zur Grubachspitze übers Kar an diesem markierten Pfosten hier sind wir hochgekommen - am Fuß der Tanne befindet sich ein Leckstein für Weidevieh Wegloser Anstieg zum Sattele auf Trittspuren durch eine Latschengasse


Indem man immer leicht nach links oben ansteigt, erreicht man irgendwann freie Grasflächen, die man bereits beim Abstieg von der Saldeiner Spitze ausmachen konnte. Immer wieder wechseln sich nun zu durchquerende Latschenstreifen und Grasflächen ab. Mittlerweile ist die Pfadspur wieder sehr ausgeprägt und eigentlich nicht zu verfehlen. Langsam an Höhe gewinnend queren wir langsam ins Haldenkar.
Austritt auf das Sattele aus der Latschenzone heraus Rückblick auf Saldeiner Spitze und den im Aufstieg durchquerten Latschenstreifen aufgeschreckte Gams vor einem weiteren zu durchquerenden Latschenstreifen der weitere Wegverlauf bei der Querung vom Sattele ins Haldenkar

Hinter uns liegen ettliche Latschenstreifen und der alleinstehende Gipfelaufbau der Saldeiner Spitze, die nun schon etwas aus der Ferne zu uns ins Haldenkar schaut. Vor uns öffnet sich mehr und mehr selbiges, das uns zunächst noch über grasige Wellen bis an den Fuß einer gewaltigen von Haldenspitz und Stallkarspitze herabziehenden Geröllmeer führt. Ein größeres Altschneefeld scheint uns für den weiteren Aufstieg ungeeignet, so dass wir uns von Stein zu Stein langsam in die Höhe arbeiten. Wird Sie da sein?
Rückblick über das Sattele zur Saldeiner Spitze kleine Steintürmchen markieren den weiteren Wegverlauf ins Haldenkar Stallkarspitze mit ausgeaperten Restschneefeldern markantes Grasrippen-Paar, das gleichzeitig die Aufstiegsrinne auf den Nordwestgrat der Stallkarspitze kennzeichnet

Die von uns angedachte Aufstiegsvariante über eine "markante Grasrippe" auf den Nordwestgrat scheint sich zu bestätigen: Die doppelpaarige Grasrippe führt etwa halbrechts am Kopf des Schneefeldes zunächst in grasigen Tritten und Geröll in eine weitere Geröllrinne, deren Durchsteigung auf den Nordwestgrat führen dürfte. Zunächst passieren die Aufmerksamen Bergsteiger u.a. noch folgende Sehenswürdigkeiten: einen Obelisken und ein Steinherz. Dann geht es aufwärts in der bereits angesprochenen Variante.
riesiger Felsobelisk im Haldenkar Steinherz eines unbekannten Eroberers steiler Anstieg über Geröll und Schotter zur Grasrippe Schneefeld im Rückblick Rückblick beim Aufstieg im oberen Teil der Grasrippe

Mit Trittsicherheit im brüchigen Gestein meistern wir die Rinne und landen auf dem nicht weniger brüchigen und geröllbeladenen Grat, der uns schließlich auf den Gipfel der Stallkarspitze führen soll. Mehrere Geröllfelder und brüchige Felsrippen gilt es im weiteren Anstieg noch zu passieren bzw. zu umgehen, bevor wir am Gipfel mit herrlichen Rundumblicken, vor allem in das uns genau zu Füßen liegende Hornbachkar blicken dürfen.
schon auf dem zum Gipfel der Stallkarspitze führenden Nordwestgrat angelangt Aufstieg über brüchiges Gestein und Geröll über den Nordwestgrat Geröll und Schotter auf dem Nordwestgrat letzte Felstürme verdecken im Anstieg das Gipfelkreuz der Stallkarspitze Blick ins Große Roßkar, auf die restliche Roßzahngruppe und den Hochvogel im Hintergrund

Am Gipfel empfängt uns neben der herrlichen Aussicht ein altes wackliges Gipfelkreuz und ein ortskundiger Bergsteiger, der wesentlich weniger Jahre auf dem Buckel haben dürfte *zwinker*. Wir suchen uns zunächst eine bequeme Möglichkeit für eine ausgiebige Gipfelrast, da der Aufstieg einiges an Kondition abverlangt - teilweise wurde welche abverlangt, obwohl sie gar nicht mehr da war *schwitz* und *winkmitdemzaunpfahl*. Hier oben gibt es ein prächtiges Panorama nach allen Seiten zu bestaunen - imposant auch die am Eingang des Hornbachtales mit der Klimmspitze beginnende und sich Gipfel an Gipfel aufreihende Hornbachkette. Daneben ist der Blick auf die Roßzahngruppe und der Hochvogel unvergleichlich.
wackeliges Gipfelkreuz der Stallkarspitze Bergheil Nikolaus! Blick über den Bergrücken vom Haldenspitz zur Saldeiner Spitze herrlicher Blick auf die komplette Hornbachkette Hochvogel - der allgegenwärtige heimliche König der Allgäuer Alpen

Panoramaaufnahme der Hornbachkette und der Roßzahngruppe:
Panoramaaufnahme der Hornbachkette und der Roßzahngruppe

Das sich zu unseren Füßen ausbreitende Große Roßkar und die Hauptgipfel der Roßzahngruppe bieten sich an für einen zweitätigen Abstecher mit Biwak und Anmarsch aus dem Schwarzwassertal. Herrlich auch die Blicke auf die von der Stallkarspitze wegziehenden Seitengrate Richtung Schnatterbachkopf, Haldenspitz und Grubachspitze. Letzteren wollen wir heute auch noch Besuch bzw. bietet sich bei dieser Tour natürlich auch nur optional an.
ausgezeichneter Blick über die Roßzähne auf den Hochvogel Blick ins Hornbachtal am Fuße der Klimmspitze Grubachspitze vom Gipfel der Stallkarspitze aus gesehen Blick von der Stallkarspitze über Saldeiner Spitze, Grubachspitze, Hornbachkar bis ins Lechtal Blick von der Stallkarspitze über das weitläufige Hornbachkar

Ein möglicher Abstieg über den Südwestgrat der Stallkarspitze - wie wir aus mehreren Einträgen aus dem Gipfelbuch entnehmen können - mit Querung unter des Gipfelaufbaus ins Hornbachkar, erscheint uns am heutigen Tage nicht möglich. Daher entscheiden wir uns für einen Abstieg wie Aufstieg über den Nordwestgrat und Grasrippe ins Haldenkar zurück zum Sattele. Der Abstieg, der einiges an Trittsicherheit verlangt und in der gerölligen Rinne oberhalb der Grasrippe auch die Hände benötigt, wird im Anschluss mit einer flotten Schussfahrt über das Altschneefeld belohnt. Im Rückblick erscheint uns der mächtige Aufbau der Stallkarspitze nicht mehr unbezwingbar - kennen wir doch die Lösung zum Knacken. Zurück über die welligen Grasrücken und Latschenstreifen, queren wir aus dem Haldenkar Richtung Sattele hinab. Weitere Latschengassen führen uns an den Rand des Hornbachkares, wo wir nach einer Möglichkeit suchen, direkt auf den Weg "übers Kar Grubachspitze" zu stoßen.
herrlicher Blick vorbei an den verfallenen Roßzähnen auf den Hochvogel Mark auf dem Sprung übers Hornbachtal zur Klimmspitze - mit Anlauf könnt's klappen letzter Blick übers Gipfelkreuz hinweg auf den Hochvogel Abstieg vom Gipfel der Stallkarspitze über den gerölligen Nordwestgrat eine Schussfahrt die ist lustig - Abfahrt im Schneefeld ins Haldenkar

Kurz unterhalb von einem großen markanten Baustamm sticht uns wieder der rot markierte Pfahl ins Auge. Somit sind wir wieder am Sattele angelangt; von hier zweigt nach rechts der gut markierte Weg zur Grubachspitze ab. Der hier nur leicht ansteigende Pfad führt zunächst über saftig grüne Wiesen, im Wechsel mit kleineren Baumgruppen und Latschen, ein gutes Stück ins Hornbachkar hinein. Der Weg ist wirklich ausgezeichnet markiert und stellt auch als alleiniges Ziel für Familien mit trittsicheren Kindern keine größeren Schwierigkeiten dar. Wir wagen durch die Baumkronen und Latschen schon mal einen Blick auf die Grubachspitze. "Mhhh…" - das sieht noch ganz schön weit aus, aber der Weg ist ja bekanntlicherweise das Ziel. Durch die Latschengassen hindurch den Markierungen folgend kommen wir an einem kleinen Tümpel vorbei. "Nein,..." wir wollen uns in der Brühe lieber nicht erfrischen und verschieben das Bad auf ein anderes Mal. Der Weg führt uns noch weiter ins Hornbachkar hinein, mäßig nach links in Richtung des steil abfallenden Rückens der Grubachspitze ziehend.
Aufstiegsroute über den Nordwestgrat der Stallkarspitze nochmal im Rückblick markanter Baumstumpf bei der Querung vom Sattele ins Hornbachkar Blick übers Hornbachkar auf den Gipfel der Grubachspitze vorbei an einem kleinen Tümpel auf dem offiziellen Aufstiegsweg zur Grubachspitze übers Kar Blick zurück zum Sattele beim Abstieg übers Hornbachkar Richtung Wiesbach

Langsam ändert der Pfad seine Richtung gen Süd-Osten und wir gelangen an den Fuß des von der Grubachspitze herabziehenden Bergrückens. Von hier steigt der Weg, manchmal in Kurven, etwas steiler auf den auslaufenden Rücken an. Nach wie vor ist alles sehr gut markiert und auch durch die Latschengassen nicht zu verfehlen. Wir gewinnen schnell an Höhe, die Latschen werden lichter und wir stoßen auf ca. 1.900m auf den direkten Aufstiegsweg (vom Abzweig "Grubachspitze" ohne Umweg über das Kar). An der Abzweigung zur Grubachspitze kamen wir heute morgen nach ca. 1:30 Stunden vorbei; von diesem Punkt dürfte es bis hierher noch eine weiter knappe Stunde sein. Im Abstieg werden wir uns dieser Variante widmen. Erstmal steht uns der Weiterweg in Richtung Grubachgipfel bevor, welcher aus dieser Position nach wie vor nicht zu sehen ist. In der Mitte des auslaufenden Rückens angelangt nähern wir uns auf einem mäßig steilen Pfad weiter dem Ziel. Es folgt ein letzter steiler Aufschwung, der uns bis kurz unterhalb des Vorgipfels der Grubachspitze bringt. Der ursprüngliche Pfad ist vermutlich durch Regen und häufige Begehung hier nicht mehr eindeutig zu erkennen, geht aber im Zick-Zack steil nach oben. Hierbei ist durch loses Geröll einige Vorsicht geboten. Dann sind es nur noch wenige Minuten bis zum Gipfelkreuz. Der markante Vorgipfel wird leicht fallend südseitig umgangen, bevor es die letzten Meter bis zum Hauptgipfel wieder nach oben geht. "Berg Heil!"...wir haben unser letztes Ziel für heute erreicht und wagen gleich einen Blick hinunter zu unserem Ausgangsort Vorderhornbach. Der Gipfel der Grubachspitze bietet einen herrlichen Blick auf die Hornbachkette. Dagegen ist die Saldeinerspitze – unser erstes Tagesziel am heutigen Morgen – leicht durch den Vorgipfel der Grubachspitze verdeckt. Wenn man nun dem Grat in Richtung Stallkarspitze folgen würde, gäbe es eine weitere weglose Abstiegsmöglichkeit in Richtung Vorderhornbach (überliefert von ortskundigen Einheimischen). Wir werfen noch einen kurzen Blick ins Gipfelbuch und vermerken unseren Besuch. Dort sind heute schon soviele Einträge, wie z.B. auf der Saldeiner Spitze im ganzen Jahr - was aufgrund des gut markierten Weges und der herrlichen Aussicht auch nicht weiter verwunderlich ist.
offizieller weiterer Wegverlauf beim Aufstieg zur Grubachspitze über das Hornbachkar Aufstieg über den Rücken zur Grubachspitze beim Aufstieg zur Grubachspitze Umgehung des vorgelagerten Gipfelaufbaues der Grubachspitze beim Aufstieg herrlicher Blick von der Grubachspitze nach Vorderhornbach

Nach kurzer Gipfelrast und einer letzten Stärkung nehmen wir uns den langen Rückweg bis Vorderhornbach vor. Wieder vorbei unterhalb des Vorgipfels und dem letzten steilen Abschwung folgen wir dem Pfad über den breiten Rücken bis zur Abzweigung in Richtung Sattele - immer die markante Saldeiner Spitze vor Augen. Hier zweigen wir nach rechts ab und nehmen den direkten Weg nach Vorderhornbach. Der Weg führ im Zick-Zack, teilweise recht steil, durch Latschengassen und später durch dichteren Baumbestand nach unten. Bei Nässe ist hier höchste Vorsicht geboten, da immer wieder Baumwurzeln in dem gerölligen Pfad herausschauen. Würde die Grubachspitze als alleiniges Tourenziel gewählt, so wäre der direkte Aufstieg (also nicht übers Kar) – obwohl sich dieser als wesentlich steiler herausstellt – die bessere Variante. Als Abstieg könnte dann alternativ der Weg über das Sattele gewählt werden, der es in Bezug auf die Steilheit weitaus ruhiger angehen lässt und verbunden mit einer schönen Aussicht sicher angenehmer wäre.
Gipfelkreuz der Grubachspitze Blick vom Gipfel der Grubachspitze auf die Saldeiner Spitze Blick auf die Stallkarspitze Eintrag im Gipfelbuch auf der Grubachspitze Abstieg über den Bergrücken der Grubachspitze auf dem Normalweg mit Blick auf die Saldeiner Spitze

Nach erreichen der Abzweigung bewegen wir uns auf dem uns bereits bekannten Weg nach Vorderhornbach. Am Jagdstand angekommen können wir den Ausgangspunkt schon fast riechen. Beim weiteren Abstieg können wir durch den Wald immer mal wieder einen Blick auf Vorderhornbach werfen, das nun unaufhaltsam immer näher rückt. Vorbei an drei Wasserreservoirs bzw. Hochbehältern gelangen wir wieder auf die Fahrstraße, von welcher es nur noch wenige Meter bis zum Parkplatz sind.
kurvenreicher Abstieg über den Rücken der Grubachspitze wieder an der markanten Abzweigung im Tannenwald angelangt weiter bergab gehts Richtung Vorderhornbach ein Waldmännchen zurück am Jagdstand - nun ist es nicht mehr weit

Eine wunderschöne Tour zum Jahresauftakt 2008 geht damit leider zu Ende. Die Anforderungen an die Orientierung konnten wir weitestgehend mit Bravour erfüllen...an der Kondition wird halt noch etwas gearbeitet ;o). Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und hoffentlich bis zur nächsten Tour (Mark, Oliver, 07/2008).
zurück am Ausgangspunkt Vorderhornbach
Fazit:
Die Tour in der östlichen Roßzahngruppe ist eine höchst einsame Tour auf die selten besuchten Gipfel der Saldeiner Spitze und Stallkarspitze; Letztere wurde bereits im September 1896 von Hermann von Barth besucht. Die Weitblicke von der eigenständig stehenden Saldeiner Spitze ins Obere Lechtal, hinüber ins Namloser Tal und hinunter ins Schwarzwassertal sind wahrlich beeindruckend, ebenso der Blick auf die andere Seite in Richtung Hornbachkette und weitere Berge der bröseligen Roßzahngruppe. Hat man den Einstieg zur Pfadspur auf den Westgrat einmal gefunden, ist dieser nicht mehr zu verfehlen und stellt den erfahrenen Bergsteiger vor keine größeren Schwierigkeiten. Dennoch ist in dem steilen und brüchigen Gelände unterhalb des Gipfels stets Vorsicht geboten. Das Gipfelbuch aus dem Jahre 1980 lädt regelrecht zum schmökern ein. Der Abstieg erfolgt wie der Aufstieg.

Der Weiterweg vom Sattele ins Haldenkar zur Stallkarspitze erfordert einiges an Orientierungsvermögen. Der Anstieg über den schotterbedeckten Nordgrat ist technisch unschwierig, man unterschätzt aber leicht die Steilheit und Länge bis zum Gipfel und muss nochmals die letzten Reserven mobilisieren. Die Stallkarspitze lädt dann zur Belohnung zu herrlichen Rundblicken in die Hornbachgruppe, westliche Roßzahngruppe und den dahinter liegenden Hochvogel ein. Das Gipfelbuch aus dem Jahre 1985 ist ebenfalls einen Blick wert. Der Rückweg ins Haldenkar über das Sattele bis nach Vorderhornbach zieht sich dann wieder ziemlich in die Länge. Optional kann bei ausreichender Kondition noch der gut markierte Weg über das Hornbachkar zur Grubachspitze gewählt werden, welche auch als alleiniges Tages-Ziel - evlt. sogar mit Kindern - geeignet und lohnenswert ist. Die Ausblicke ins Lechtal und insbesondere auf die genau gegenüberliegende Hornbachkette sind grandios.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
Tipps
Parkmöglichkeiten:
Bei der Kirche in Vorderhornbach sind kostenlose Parkmöglichkeiten vorhanden.
beste Wanderzeit:
Sommer und Herbst. Über die aktuellen Verhältnisse am Besten vorher über die einschlägigen Quellen im Internet informieren. Empfehlenswert ist eine Anfrage im Alpic.net-Forum. Ansonsten sehr schöne, teilweise einsame Tour bis in den Herbst hinein - solange es trocken und schneefrei bleibt.
Bei Nässe und Gefahr heraufziehender Gewitter wird von der Tour auf die Stallkarspitze bzw. Saldeiner Spitze dringend abgeraten.
Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Maps bzw. Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Tour in der Rosszahngruppe als Höhen- und Streckenprofil
Route und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/Tour18/Rosszahngruppe.gpx
- GPS-Tracks: .kmz / .gpx

Übersicht