Tour 22: Großer Wilder (21.08.2018)

 

Anreise
D-75181 Pforzheim nach A-Hinterhornbach über Pfronten
Entfernung: ca. 290km Fahrzeit: ca. 3 Std

Über die A 8 nach "Ulm", auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt Nr. 139 "Füssen" - dann Richtung "Reutte/Österreich" gleich durch den Grenztunnel. Danach auf der österr. Bundesstraße 179 bis Reutte. Hier abbiegen auf die österr. Bundesstraße 198 Richtung "Lechaschau/Holzgau/Warth". Nach "Stanzach" kommen wir nach "Vorderhornbach", biegen dort nach rechts ab ins Seitental nach "Hinterhornbach". Dort parken wir am kostenpflichtigen Parkplatz bei der Brücke am Dorfende.

 

Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Taschenlampe oder Kopflampe für Hütte oder möglichen nächtlichen Aufstieg
  • optionale Ausrüstung für ein Biwak / Nachtlager
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • ausreichend Flüssigkeit
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
Besuche auch unseren Ausrüstungspartner - vielen Dank.
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Wegbeschreibung
Der Große Wilde liegt auf der deutsch-österreichischen Grenze am Talabschluss des Ostrachtals und ist mit seinen 2.379m weithin sichtbar. Der Große Wilde ist im Winter ein beliebtes Ziel für Skitouren. Auch im Sommer ist die Aussicht genial und lohnenswert. Aufstiegsrouten gibt es z.B. vom Himmelecksattel über den Nordgrat zum Nordgipfel, oder aus Hinterhornbach weitgehend weglos über eine Steilstufe und den lang gestreckten Südostrücken des Großen Wilden – die Variante welche wir uns ausgesucht haben.

An dieser Stelle möchten wir nochmals deutlich darauf hinweisen, dass diese Aufstiegs- bzw. Abstiegsroute nur bei gutem Wetter begangen werden sollte. Bei schlechter Sicht oder eintretendem Nebel dürfte es sehr schwierig sein die wenigen und dürftigen Markierungen und Pfadspuren zu finden. Dies gilt besonders für den Einstieg in den Abstieg. Eine ausgezeichnete Orientierungsfähigkeit in weglosem und unübersichtlichen alpinen Gelände, sowie gute Alpinerfahrungen sind eine Grundvoraussetzung für diese Variante.

Dieses herrliche Aussichtsplateau erwartet den Wanderer hoch über dem Jochbachtal
Herrliches Aussichtsplateau hoch über dem Jochbachtal

Anreise am Nachmittag über Füssen und Reutte nach Hinterhornbach. Mit einer Brotzeit am Ufer des Hornbachs zwischen Vorderhornbach und Hinterhornbach beginnt unsere Geschichte. In der Abendsonne können wir noch unser Ziel für morgen, den Großen Wilden, ausmachen. Links daneben sind die beiden Höllhörner zu sehen (Verweis auf unsere Tour 6). Der Hornbach führt recht wenig Wasser was mit Sicherheit auch auf die lange Hitzeperiode zurück zu führen ist.
Nach ausgiebiger Rast geht es die letzten paar Kilometer mit dem Auto nach Hinterhornbach. Wir parken wie die letzten Male zuvor am Parkplatz kurz vor der Brücke am Ortsende. Bei unseren letzten Besuchen war das Parken hier noch kostenlos; ein Schild weist uns jetzt auf eine "humane" Parkgebühr in Höhe von EUR 2,00 je Tag hin. Der Betrag ist in einen aufgestellten Metallpfosten zu werfen, ein Parkticket ist nicht erforderlich.
Brotzeit am Ufer des Hornbachs Im Hintergrund links sind die beiden Höllhörner zu sehen kostenpflichtiger Parkplatz in Hinterhornbach

Nachdem wir unseren Obulus ordnungsgemäß entrichtet und die Wanderschuhe geschnürt haben, geht es auf in Richtung der Jochbachhütten. Direkt über der Brücke lohnt sich noch kurz ein Blick in die tief unter uns liegende Schlucht des Jochbachs. Wir folgen der Straße bis zum Ortsende, wo der der Weg nach rechts über Almwiesen ins Jochbachtal abzweigt. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Waldgrenze und nähern uns dem Jochbach bzw. zumindest dem Flussbett in welchem normalerweise der Jochbach fließt, hier aber noch um einige Meter darüber. Ein Weg zweigt nach rechts ab und führt vermutlich direkt unten am Jochbach auf die andere Seite. Auf der rechten Seite des Jochbachs kann man ebenfalls in Jochbachtal hochwandern. Wir folgen allerdings dem etwas breiteren Weg, der auf der linken Bachseite in Richtung Jochbachhütten führt. Nachdem von der linken Seite der Weg vom Rücken des Kanzbergs einmündet, gelangen wir langsam ebenfalls näher an das Flussbett heran. Man kann nur erahnen mit welcher Gewalt die Wassermassen hier bei der Schneeschmelze ins Tal müssen. Unser Weg war jedoch an allen Stellen gut begehbar und ordentlich instand gesetzt.
tief unter uns liegende Schlucht des Jochbachs Rückblick nach Hinterhornbach entlang des Jochbachs Richtung Jochbachhütten

Kurz vor dem Erreichen der Jochbachhütten queren wir über eine neu errichtete Brücke - ebenfalls auf die rechte Bachseite - über den hier noch ziemlich trocken Jochbach. Gegen 20 Uhr erreichen wir die Jochbachhütten, welche wir jedoch zügig hinter uns lassen. Wir wollten am Abend noch die Abzweigung vom Normalweg 431 erkunden und uns einen stillen und gemütlichen Platz für das Nachtlager suchen. Wir genießen bei sternenklarem Himmel die idyllische Nachtruhe.
Jochbachhütten unser Nachtquartier unsere Gastgeber noch auf Abstand

Am nächsten Morgen werden wir von einigen neugierigen Gastgebern geweckt. Das Interesse beschränkt sich allerdings auf kurzes gegenseitiges Beschnuppern. Wir packen unsere Sachen zusammen und sind schon sehr gespannt auf den vor uns liegenden Aufstieg.
unsere Gastgeber nicht mehr auf Abstand ...und überhaupt nicht neugierig

Für den Eingang ins Wildental, kann an einer Bacheinmündung der Stein mit der Markierung 38 als Anhaltspunkt genommen werden. Hier zweigen wir scharf rechts ab in Richtung Wald. Hier sollte man einen weiteren Stein mit der Markierung 37 finden: Dann ist man richtig. Man geht am besten am rechten Waldrand zum Wildental hin nach oben bis man die erste Steigung überwunden hat und auf eine größere Lichtung tritt. Alternativ kann man auch ca. 50 Meter vorher – das ist dann zwischen erstem und zweitem Bachlauf - vom Normalweg abzweigen: Anhaltspunkt ist hier ein großer Felsbrocken mit einer Bank davor. Rein optisch erschien uns unsere zuvor gewählte Variante etwas angenehmer. Im Übrigen waren auch hier beide Bachläufe ziemlich ausgetrocknet. Auf der Lichtung angekommen kann man sich an 3 Birken orientieren. Wenn man hier nach oben sieht, erkennt man den Lauf einer eingeschnittenen Geröllrinne. Hier geht es ziemlich steil hinauf; und zwar genau dazwischen. Wir steigen am rechten Rand des linken Ausläufers an der Geröllzunge auf. Seid ihr an der letzten großen Tanne angelangt, ein kurzer Blick nach hinten. Wenn hier zwei schwache rote Markierungen zu sehen sind, dann seid ihr richtig. Von hier ab geht es noch ca. 10-15 Meter nach oben und dann quert man den rechten Teil der Geröllzunge. Ein alter Baumstumpf mit einem schwachen roten Punkt sollte zu finden sein. Ab hier sollten leichte Pfadspuren ausmachbar sein.
markante Birkengruppe und eingeschnittene Geröllrinne letzte große Tanne Baumstumpf mit einem schwachen roten Punkt

Im steilen Zickzack gelangen wir direkt unter die Steilstufe. Ab hier gibt es immer wieder deutliche rote Markierungen welche geschickt durch die Steilstufe und das Latschengewirr führen. Die Pfadspuren sind sehr sehr dürftig was darauf hindeutet dass diese Route nicht sehr oft begangen wird. Mit einem geschulten Auge für den richtigen Weg kann man hier jedoch nicht viel falsch machen.
Blick zurück nach Hinterhornbach deutliche rote Markierungen

Teilweise sind die Latschen so dicht zugewachsen das man in der Hocke durchkriechen muss. Zudem gilt es immer wieder sehr steile Passagen zu überwinden was doch einiges an Puste kostet. Trotzdem bleibt genügend Zeit für interessante Entdeckungen entlang des Weges. Mit der Kamera wurde z.B. die Raupe des Jakobskrautbärs festgehalten. Nach der Verpuppung kommt ein rotschwarzer Falter zum Vorschein. Luca hat auch etwas entdeckt und hält es vorsichtig in die Kamera.
Jakobskrautbär - auch Blutbär oder Karminbär genannt Fundsache (Auflösung mit dem Mauszeiger in der Bilderübersicht) aufwärts durch unwegsames Gelände und immer die rote Markierung im Blick

Hinter uns liegt das Jochbachtal mit den gut erkennbaren Jochbachhütten. Der Weg führt immer noch steil aufwärts und führt uns von Markierung zu Markierung.
Blick zu den Jochbachhütten aufwärts gehts

Die Übergänge auf die verschiedenen Felsstufen folgen im langsamen Takt. Dabei wechseln sich übersichtliche grasige Stellen mit felsigen Aufbauten und borstigen Latschen ab. Der Aufstieg verläuft unverändert in schwierigem Gelände und stetig bergauf. Ein kleines Rinnsal bietet kurze Erfrischung.
grasige Fläche auf einer Felsstufe Umgehen von felsigen Bereichen erfrischendes Rinnsal im Fels - aber bitte nicht trinken

steiler schrofiger Aufstieg Latschen im Weg

Nach den ganzen Felsstufen und unzähligen Latschen wird das Gelände langsam etwas überschaubarer und flacher. Man hat hier oben bereits einen herrlichen Blick auf den gegenüber aufragenden Hochvogel.
schrofiger Aufstieg herrlicher Blick auf den Hochvogel die Vögel

Willkommen an der nächsten deutlichen Markierung.
Aufstieg mit Aussicht deutliche Markierung

Damit verliert sich jedoch auch in dem grasigen Gelände die Spur immer weiter. Rückblickend – also abwärts – sind hier die paar Markierungen übrigens deutlicher zu erkennen was beim Abstieg in diesem unüberschaubaren Gelände eine große Hilfe sein sollte. Findet man keinen roten Punkt mehr sollte man ein paar Meter zurück gehen bis zum letzten roten Punkt und sich auf die Suche nach dem richtigen Weg begeben. Das Risiko das man in unwegsamen Gelände landet dürfte relativ groß sein. Wir gönnen uns eine kurze Rast, stärken uns mit einer Banane und füllen unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auf. Mit Erreichen der Hochebene enden die Markierungen endgültig. Ein Stein mit großem rotem Punkt und zusätzlich ein großer roter Punkt auf einer großen Felsplatte weisen den Einstieg zum Abstieg. Die schon aus einiger Entfernung auszumachende Markierungen in der Nähe des Goldbrünnle müssen für den Abstieg unbedingt wieder gefunden werden.
der vor uns liegende Aufstieg Perspektivischer Abstieg Perspektivischer Abstieg

Wollgras im Wind die letzten Höhenmeter verlaufen nur noch über Fels
Panoramablick
...mit Hochvogel im Hintergrund

Das nun vor uns liegende, extrem weitläufige Karstgelände muss weglos aufgestiegen werden. Bis zum Südgipfel sind es an dieser Stelle noch ca. 400 Höhenmeter. Vor uns türmen sich immer wieder felsige Stufen auf, welche jedoch meistens umgangen oder mit leichten Kletterpassagen passiert werden können. Immer wieder erkennen wir vierbeinige Beobachter, die unseren Weiterweg aufmerksam verfolgen. Wir hatten mehrere Gruppen Gamswild u.a. auch mit Kleintieren gesehen.
Blick über den Wildengrat Richtung Hochvogel vorgeschobener Wachposten kein Schritt bleibt unbeobachtet
Eine Gruppe Gemsen auf der Hut
Eine Gruppe Gemsen auf der Hut
finde die Gams jetzt stehen wir über den Gämsen im Augenblick sind wir wohl das Spannendste was hier oben passiert

Als erstes Ziel peilen wir einen Punkt südöstlich des Südgipfels an. Dieser nette Aussichtspunkt lädt zu einer Rast und einer Brotzeit ein.
herrliche Hochvogelkulisse in respektvollem Abstand wird weiter beobachtet

Der Blick auf die Höfats bleibt einem an dieser Stelle allerdings noch verwehrt, jedoch hat man einen fantastischen Blick auf die Höllhörner welche aus dieser Perspektive wie ein einziger Gipfel erscheinen. Ebenfalls hat man einen tollen Blick auf den langengezogenen Rücken des Kanzbergs. Die Südostflanke des Südgipfel des Großen Wilden sieht aus dieser Perspektive nicht besonders einladend aus. Die Besteigung erfolgt allerdings unschwierig ab der Grathöhe zwischen Hauptgipfel und Südgipfel in weglosem Gelände. Von hier bietet sich dann eine fantastische Aussicht auf den Hochvogel und die Hornbachkette.
Blick auf Höllhörner und Kanzberg Upps - bin ich auch auf dem Bild?

Von hier oben bietet sich ein toller Blick auf den Hochvogel.
Blick auf den Hochvogel Und weil es so schön ist...Blick auf den Hochvogel mit Luca zur Darstellung der Größenverhältnisse
Panoramablick vom Gipfel des Großen Wilden
Panoramablick vom Gipfel des Großen Wilden

weiter Richtung Hauptgipfel Selfie mit Hochvogel im Hintergrund Höfats
Nahaufnahme der Höfats Blick über den Wildengrat Richtung Hochvogel

Nach kurzem Aufenthalt geht es wieder hinunter auf den Grat und ebenfalls ohne große klettertechnische Schwierigkeiten (kaum 1) auf den Hauptgipfel, welcher mit 2379m auch die höchste Erhebung des Großen Wilden darstellt. Neben den bereits oben genannten Aussichten bietet sich von hier auch ein überwältigender Blick auf die viergipflige Höfats welche direkt gegenüber liegt.
Österreichischer Grenzstein was für eine Gestalt von....Berg: Prächtige Hochvogelkulisse Nord-Gipfel Großer Wilder

Zudem hat man einen schönen Blick auf den Verlauf des Wilden Grates in Richtung Kreuzkopf. Nach traditionellem Gipfelbier und hin- und herhüpfen auf der deutsch-österreichischen Grenze beschließen wir noch einen kurzen Abstecher auf den Nordgipfel zu unternehmen. Die Rucksäcke lassen wir auf dem Hauptgipfel liegen da wir ohnehin hier wieder zurück kehren. Allerdings macht sich der angekündigte Wetterumschwung für den Nachmittag bereits bemerkbar. Die ersten Vorboten ziehen vom Ostrachtal in unsere Richtung.
Gipfelbier und... zufriedene Gesichter

Der Abstieg vom Hauptgipfel ist als sehr einfach zum Sattel zwischen beiden Gipfel ist als einfach zu bezeichnen, der Aufstiegt zum Nordgipfel ist eine anspruchsvolle und recht luftige Gratkletterei im zweiten Grat. Hier gibt es auch wieder deutliche Markierungen und man bleibt im Prinzip mit einer kleinen Ausnahme immer direkt am Grat. Unterwegs sieht man dieses interessante Loch im Fels.
Wildengrat Richtung Hochvogel ein Loch im Fels der Nordgipfel ist erreicht
Am Gipfelkreuz vom Nordgipfel Aussicht vom Nordgipfel mit tibetischen Gebetsfahnen

Zum Glück hat der Wetterbericht gehalten was er versprochen hat und wir gelangen noch bei Sonnenschein zurück nach Hinterhornbach. Die Wandertruppe auf dem Bild hat mit Sicherheit nicht so tolle Erlebnisse und Eindrücke wie wir erfahren . Nach einer kurzen Pause am Auto und verstauen unseres Equipments geht es wieder in Richtung Heimat. Kaum in Reutte angekommen beginnt es auch schon zu schütten, von daher haben wir alles richtig gemacht auch wenn wir gerne noch länger am Gipfel verweilt hätten und die tollen Eindrücke auf uns wirken lassen hätten.
zurück in Hinterhornbach

 

Fazit:


Weitere Links:
  • AV Karte "Allgäuer-Lechtaler Alpen Ost" (1 : 25 000)


  • Karte "Allgäuer Alpen" vom Bayr. Landesvermessungsamt (1 : 50 000) mit GPS-Gitter


 

Übernachtungsmöglichkeit

 

Tipps
Parkmöglichkeiten:

beste Wanderzeit:

Wasservorräte:

Gepäck:

 

Auswertung der GPS-Daten
Auf eine Aufzeichnung wurde bewusst verzichtet, um Jedem die Möglichkeit zu geben, sich die Bergtour selbst zu erarbeiten.