Der Schneck - "Allgäuer Himmelsteig"

"Grasfluchten, so steil wie das Dach eines gotischen Doms, und Felswände, lotrecht, ja sogar überhängend. Dazu noch der scheinbar messerscharfe Rädlergrat zum Himmelhorn, das in atemberaubender Eleganz aus dem Schneckmassiv hervorspringt." (*)

Der bizarr geformte Schneck. Es gibt keinen Berg, der je nach Standort sein Aussehen so ändert wie der Schneck. Es handelt sich um einen berühmten Vertreter der Allgäuer Grasberge (z. B. auch die Höfats), die aus Aptychen- und Hornsteinkalken aufgebaut sind. Gleichzeitig handelt es sich um einen sogenannten Lias-Grasberg Gemeint sind nicht irgendwelche Grasberge, sondern die Grasberge aus Liasgestein, mit ihren bis zu 70 Grad steilen Flanken. Sie sind das Charakteristikum der Allgäuer Alpen und in keiner anderen Gebirgsgruppe so markant vertreten wie hier. Im aktuellen Werk Allgäuer Bergnamen von Thaddäus Steiner wird folgende Entstehung des Namens abgeleitet:
Die Gipfelzone über den Hohen Gängen gleicht von der Oberstdorfer Seite aus einer schalenlosen, nach links kriechenden Schnecke, die ihren Kopf etwas aufrichtet. Der alte Name war aber zweifelslos "Himmelhorn"....die ersten historischen Belege ("Hymelhorn" v. 1478) gelten wohl mit Sicherheit dem heutigen Schneck, der aus dem Hindelanger Gebiet (Bärgündele) aus wirklich den Eindruck eines in den Himmel ragenden Hornes macht. Heute ist das Himmelhorn der markante Gratpunkt im Südwestgrat des Schneck, zu dem der "Rädlergrat" emporsteigt (siehe Bild auf dieser Seite).

Der luftige Übergang zum 10 Meter höheren Hauptgipfel erweist sich als kühne Herausforderung. Am sichersten bedient man sich der zwar knappen, aber zuverlässigen Griffe und Tritte etwas unterhalb der felsigen Nabelschnur. Wem der Magen bei dem Tanz zwischen Himmel und Erde zu rebellieren beginnen sollte, setzt sich einfach faul auf die exponierte Schneide und reitet gemächlich hinüber. Die technischen Schwierigkeiten übersteigen nirgends den I. Grad. Aufatmend, aber nicht ganz ohne Beklemmung steigt man die letzten Meter über Schrofen und Gratpolster hinauf zum Schneck - schließlich muss man auf des Messers Scheide ja auch wieder zurücktanzen.

Als erster Tourist dürfte O. Sendtner in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts den früher schon von Einheimischen erreichten Gipfel bestiegen haben. Über die Nordwand stiegen H. Demeter und Gef. 1902, über die Westwand W. Herz und H. Haug 1904; die Ostwand durchkletterte Risch 1922. Der Rädlergrat wurde 1910 von H. Rädler durchstiegen. 

Drei am Himmelhorn (02.09.1956) „Sie fielen in Gottes Hand“
Vor einem halben Jahrhundert ereignete sich das wohl schrecklichste Bergsteiger-Unglück der Allgäuer Alpen am Himmelhorn, oberhalb des Oytals bei Oberstdorf. Die drei Bergsteiger-Brüder Krebs kamen beim Versuch das Himmelhorn über den Rädlergrat zu besteigen am 02.09.1956 um. „Sie fielen in Gottes Hand“, heißt es zum tragischen Ende der drei jungen Männer. Noch immer ist der Tod der drei einheimischen Brüder Martin, Walter und Richard Krebs unvergessen. Ein Buch beschreibt das kurze Leben der "Drei am Himmelhorn" (weitere Info's).

Zurück in der heutigen Zeit: Vom Bergfilmer Jürgen Schafroth (AllgäuFilm.de) und seinem Team wurde die Ostwand durchstiegen und dabei ein farbenprächtiges Filmerlebnis erschaffen. Der Film erzählt anhand einer Begehung der alten Ostwandroute und der vermutlich ersten Wiederholung der Originalroute von 1922 die über achtzigjährige Geschichte dieser Wand.(Die vergessene Wand - Schneck Ostwand).

Interessante Links rund um den Schneck:
Quellennachweis: